Donnerstag, 12. März 2009

Conti ade?

In Hannover wird die Reifenproduktion bei der Conti eingestellt, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung von heute berichtet. Zusammen mit einer Kollegin schreibe ich gerade an einer Wirtschaftsgeschichte des Landes Niedersachsen. Für uns beide sind bislang die frühen 1970er Jahre der größte Bruch in der neueren niedersächsischen Wirtschaftsgeschichte gewesen. Es handelte sich damals um eine Phase, in der es auch um das Überleben von VW und der Conti ging, die einen hatten den Übergang zum Frontmotor zwar nicht verschlafen, aber nicht mit eigenen Mitteln erreicht, die anderen die Bedeutung des Stahlgürtelreifens zu lange verkannt. Beide schafften es damals noch einmal. Was aber nicht vergessen werden darf, ist der damals sich dramatisch beschleunigende Strukturwandel in fast allen anderen industriellen Bereichen, von dem im HAZ-Artikel für Hannover auch die Rede ist, der sich aber auch in Braunschweig vollzog. Die in den 1950er Jahre eingeleitete Monostruktur des Landes Niedersachsen wurde jetzt endgültig: Niedersachsen wurde fast ausschließlich von der Autoindustrie abhängig.

Die aktuellen Prozesse könnten einen ähnlich tiefgreigenden Veränderungsprozess wie die Anfang der 1970er Jahre haben, mit dem faktischen Ende des ehemals großen Arbeitgebers Conti in Hannover ist ein Signal gesetzt, die neuen Eigentümerverhältnisse in Wolfsburg sollten trotz einer noch recht günstigen Absatz- und Ertragslage bei VW größte Aufmerksamkeit finden. Aber wo liegen die Alternativen? Bislang haben weder Politik noch Landesplanung wirklich effiziente Instrumente entwickeln können, um solchen strukturellen Prozessen zu begegnen.

Schaumburg und die Literatur

Ich bin gebürtiger Schaumburg-Lippe und hänge diesem längst vergangenen Kleinstaat immer noch an, was sich - teilweise - auch auf den Nachfolger, den Landkreis Schaumburg, übertragen hat. Deshalb war es schön, heute morgen im ZEIT Magazin zu lesen, dass kein Landkreis in Deutschland mehr Preisgelder für Literatur vergibt als der Landkreis Schaumburg, nämlich 11.500 Euro pro Jahr (wirklich: pro Jahr und nicht pro 100 Einwohner oder so). Die benachbarte Landeshauptstadt Hannover (in der ich gerade lebe) ist da bescheidener, dort sind es nur 10.000 Euro, im benachbarten Braunschweig immerhin 15.750 und in Osnabrück sogar 20.000, das sind erstaunliche 5.000 Euro mehr als in - Berlin. Kulturhauptstadt hatte ich mir anders vorgestellt. Das ist - mit weitem Abstand - Frankfurt mit fast 91.000 Euro. 

Endlich Digitalisierung?

Glaubt man den Berichten bei Archivalia, dann scheint das Kölner Unglück doch einen Prozess zu beschleunigen, der seit Jahren überfällig ist. Allerdings gibt diese Gesellschaft lieber Geld für marode Banken aus als für Kultur. Und wenn ich mir ansehe, mit wie viel Skepsis manche Archivare auf ihre Bestände achten, dann bin ich auf die Umsetzung gespannt. Vielleicht ist jetzt aber das ohnehin fragwürdige Argument gegen Digitalisierung ("Nichts ist besser als das Original") hinfällig, denn nichts ist schlimmer als ein vernichtetes Original ohne Kopie.

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