Sonntag, 3. Oktober 2010

Krainhagen, 3.10.1990

Es war vor 20 Jahren. Wir lebten damals in dem kleinen Ort Krainhagen bei Obernkirchen im Landkreis Schaumburg. Im Rahmen einer kleinen Feier wurde ein Stein im Ortszentrum errichtet, der an dies Datum erinnern sollte. 
Krainhagen war oder ist immer noch ein interessanter Ort. Am Hang der Bückeberge gelegen, hat man einen schönen Blick in Richtung Westen, im "Rücken" liegen die Bückeberge. Krainhagen war früher ein kleiner und armer Ort. Gegründet im 16. Jahrhundert war es nie ein klassisches Bauerndorf. Es gab zwar ein paar Höfe, aber die waren nur klein. Später lebten hier vor allem "kleine Leute", vor allem Handwerker. Später, im 19. Jahrhundert, entwickelte sich der Ort zu einem Wohnort für Arbeiter. 1840 war in enger Nachbarschaft zu Krainhagen eine Glashütte gegründet worden, deren Beschäftigte in grösserer Zahl in Krainhagen lebten.  Später kamen immer mehr Bergleute dazu, die in den Steinkohlenbergwerken Schaumburgs arbeiteten. Glasmacher und Bergleute gehörten schon im späten 19. Jahrhundert zu den gut organisierten Arbeitern. Kein Wunder deshalb, dass hier auch wichtige Arbeitskämpfe stattfanden oder sogar ihren Ausgang nahmen, wie 1900 ein reichsweiter Generalstreik der Glasmacher. Nach 1918 entwickelte sich Krainhagen samt der umliegenden Ortschaften und speziell Obernkirchen zu einer Hochburg der Arbeiterbewegung, insbesondere der KPD. In Krainhagen war die KPD bei der letzten freien Reichstagswahl von 1932 sogar noch etwas stärker als die SPD! 
Nach dem Krieg änderten sich die Verhältnisse, vor allem die zurückkehrenden Soldaten fühlten sich nicht mehr den alten Milieus der Arbeiterbewegung verbunden. Die alten Sozialdemokraten hatten nach Ansicht der Kriegsheimkehrer den Krieg sicher in den Bergwerken und Glashütten überstanden, die Jungen wollten etwas anderes. Zu diesen gehörte Ernst August Kranz, der 1946 einen Sportverein aufbaute, dann aber schnell als Sprecher einer Wählergemeinschaft die SPD im Ort entmachtete und danach, besonders in den 50er Jahren eine rege Aktivität entfaltete, um den Ort völlig neu auszurichten. Aus dem armen Dorf der Bergleute und Glasmacher sollte nun ein attraktiver Wohnort für die Wohlhabenden werden, Lehrer, Unternehmer, Ärzte. Und so begann er schon früh mit dem Ausbau einer geeigneten Infrastruktur, einschließlich Kanalisation und Wasserleitung (was in dem Bergdorf keineswegs einfach war) sowie der Ausweisung von Bauplätzen.
Die Geschichte des Arbeiterdorfes und seines Bürgermeisters nach 1945 ist deshalb auch interessant, weil sie zeigt, dass 1945 gerade auf dem Lande eine Zäsur darstellte - und zwar eine bewusst wahrgenommene. Für viele damalige Akteure war klar, dass eine neue Zeit begann und man stellte sich darauf ein. Dazu gehörte auch, sich der Hilfe von Planern zu bedienen, die Konzeptionen für die zukünftige Entwicklung vorlegten. So war es auch in Krainhagen und in ein paar anderen Dörfern, die wir in den letzt en Jahrzehnten untersucht hatten, wir etwa Ahrbergen bei Sarstedt.  

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