Hochschule

Mittwoch, 17. September 2008

NTH

Der Konflikt um die NTH (für Nicht-Niedersachsen: Niedersächsische Technische Hochschule) hat sich in den letzten Tagen zugespitzt. Während der Minister noch Anfang der Woche darauf hinwies, dass sowohl die Idee als auch die Umsetzung nur Sache der Hochschulen sei, betont heute der Hochschulrat der LUH (Leibniz Universität Hannover), dass zentrale Elemente der NTH-Konstruktion - die Berufung von Professoren von NTH-Fächern durch die NTH und der rotierende Sitz der NTH - abgelehnt werden. Da scheint die Überschrift "Hochschulrat und Präsidium wollen weiterhin eine NTH" schon etwas seltsam. Niedersachsens Hochschullandschaft gerät gerade zu einem Zeitpunkt ins Schlingern, als der wichtigste ökonomische Faktor des Landes, VW, von Porsche übernommen wird. Das wird noch interessant, denn der sogenannte Südosten des Landes hat sich in den letzten Jahrzehnten auch im Forschungsbereich fast ausschließlich auf die Automobilindustrie festgelegt.

Sonntag, 18. Mai 2008

Typen

"So tickt der Prof" lautet eine Serie im Spiegel. Na, da kann sich jeder den Prof aussuchen, den er möchte.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Lehre vor dem Sturm?

Die Süddeutsche lieferte gestern einen schon fast bissigen Artikel mit dem Titel "Die Lehre vor dem Sturm" über die Lehrsituation an deutschen Hochschulen. Die Betreuungsrelation sind in der Tat zuweilen (!) sehr schlecht, aber wir haben uns alle irgendwie damit abgefunden und uns vielleicht auch zu wenig Gedanken über unsere Lehre gemacht, was sich wohl auch in den zuweilen verkorksten BA-Studiengängen niederschlägt.
Aber es gibt auch Bewegung an unterschiedlichen Stellen und das macht doch ein wenig Hoffnung. Genau genommen, ist auch die Exzellenzinitiative an der falschen Stelle gestartet worden, denn ohne eine gute Lehre keine guten Studierenden, ohne gute Studierenden kein guter Nachwuchs und keine gute Forschung. Aber vielleicht nimmt der Druck so zu, dass sich etwas ändert. Aber genau genommen, muss jeder anfangen etwas zu ändern.

Dienstag, 29. April 2008

Der Mythos von den Internet erfahrenen Studierenden

In mehreren Veranstaltungen zur Nutzung der EDV für Studierende stoßen wir immer wieder auf das gleiche Phänomen: Studierende sind in der Nutzung des Internet für wissenschaftliche Zwecke offenbar überfordert. In der Lehre wird ihnen diese Nutzung kaum vermittelt, aus der Schule haben sie keine Erfahrungen mitgebracht, woran sich in den letzten Jahren nicht viel verändert hat.

In unserem letzten Web 2.0-Seminar wurde auch deutlich, dass die vorhandenen wissenschaftlichen Angeboten, wie etwa clio-online, hohe Einstiegshürden aufbauen, die Studierende nur selten überwinden können. Die Angebote an wissenschaftlichen Informationen und/oder digitalisierten Inhalten sind mittlerweile zwar sehr umfangreich, aber nur schlecht erschlossen, so dass eine schnelles "Nachschlagen" kaum möglich ist. Insofern brauchen wir genauso wie zu analogen Zeiten systematische Einführungen und Übungen, damit Studierende entsprechend ihren Anforderungen sinnvoll mit den Informationen umgehen, sie vor allem finden und richtig bewerten können. Das setzt allerdings auch Lehrende voraus, die das Netz systematisch nutzen und bereit sind, ihr Wissen weiter zu geben. Ist das nur meine Wahrnehmung oder ist deren Zahl wirklich so gering?

Wenn diese Beobachtungen stimmen, dann wundert auch nicht mehr, wenn die Wikipedia so gern genutzt wird, denn wer einerseits in seinem privaten Umfeld das Internet gern nutzt und es dann auch für sein Studium nutzen möchte, dies aber angesichts der beschriebenen Hürden nicht tun kann, wird fast zwangsläufig beim einzigen "halb-wissenschaftlichen" Informationsangebot, der Wikipedia, landen.

Wir brauchen, wie ich finde, dringend verbesserte und systematisch vermittelte Internetkompetenz für wissenschaftliche Zwecke, zunächst in einführenden Veranstaltungen, aber auch als begleitender, selbstverständlicher Teil der Lehre. Analoge und digitale Medien stehen ja nicht in Konkurrenz zueinander, sondern sie ergänzen sich, sind teilweise, siehe Google Books, gar nicht mehr voneinander zu trennen.

Noch eine Beobachtung: Angesichts dieses subjektiven Befundes wundert es kaum, dass Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero, Litlink oder Bibliographix, die ja längst mehr sind als Programme zur Verwaltung von Literaurtiteln bei den Studierenden kaum bekannt sind.

Montag, 28. April 2008

Lehren aus dem BA

Lehrende, die nicht bereit waren, sich auf das neue Studienkonzept umzustellen, sind nach den neuesten Berichten vor allem für das Scheitern viele BA-Studierender verantwortlich. Als Historiker sehe ich das gemischt: in unserem Fach empfinde ich den Zwang zu einem konzentrierten Studium als hilfreich, vermisse aber auch eine Diskussion darüber, was wir wirklich vermitteln wollen. In den alten Studiengängen haben wir diese Frage übrigens m.E. auch nie beantwortet, sondern eine Antwort vermieden. Dennoch bin ich mir nicht sicher, ob die bei uns in Deutschland gänge 6+4 Praxis wirklich sinnvoll ist.

Donnerstag, 21. Februar 2008

Die falschen Tips

Ehe jemanden denken sollten, hier im Spiegel bekommt er die Anleitung, wie er mit geringem Zeitaufwand eine Magisterarbeit schreiben kann (oder auch "nur" ein BA-Arbeit): das Risiko, diese Arbeit nicht ausreichend bewertet zu erhalten, ist ziemlich groß. Amüsant dennoch, der Text und ein paar wahre Elemente dürfte er schon enthalten.

PS: Ich hasse manche der neuen Schreibweisen, wie das dritte Wort im Titel mit einem doppelten "pe".

Freitag, 18. Januar 2008

Langweilig, unverständlich?

Die LUH Hannover hat ein neues Logo. Hier ein paar Kommentare. Möge sich jeder ein eigenes Urteil bilden.

Montag, 3. Dezember 2007

Verwahrlost?

In der ZEIT beklagt Ulrich Herbert den schlechten Zustand der Lehre in vielen Seminaren der Geschichtswissenschaft, u.a. durch eine Überfüllung der Seminare. Das mag stimmen, aber es stimmt auch bedenklich, wenn, wie in Hannover, sich erschreckend wenig Professoren für Studienangelegenheiten interessieren (aber dauerhaft über eine zu hohe Lehrbelastung klagen) oder wenn die neuen Studiengänge dazu genutzt werden, ein Lernpensum einzufordern, das bei einigermaßen realistischen Lektürezeiten schon fast absurd klingt. Statt dessen kommt dann die Klage über Plagiate. E-Learning-Angebote werden mittlerweile genutzt, aber zögernd und widerstrebend, wie überhaupt neue Medien den meisten Kolleginnen und Kollegen eher eine Plage denn eine Chance zu sein scheinen. Es mag hier vielleicht gar nicht überraschend wirken, wenn innovative und interaktive Lehr und Lernmodule in der Geschichtswissenschaft wie adfontes oder Geschichte online oder pastperfect nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz und in Österreich entwickelt worden sind. In Deutschland setzen wir eher auf lineare Wissensvermittlung wie in unserer Lernwerkstatt oder der Einführung in die Frühe Neuzeit. Das liegt nicht unbedingt an der technischen Ausstattung, sondern an der Nutzung der technischen Ausstattung.

Nun soll hier nicht einfach dem E-Learning das Wort geredet werden, aber es fehlen die guten Lehrideen, die kreative Annahme der Herausforderungen in der Lehre und nicht nur das Klagen über die schlechten Rahmenbedingungen. Und es fehlt zuweilen an Professoren, die in der Lehre und nicht nur im Einwerben von Drittmitteln oder dem Schreiben von Büchern und Aufsätzen ihre Aufgabe sehen. Es ist schon erschreckend, wenn ein Student aus München mir nach zwei Mails mitteilt, das sei mehr Kontakt gewesen, als er mit seinem Professor während der gesamten Prüfungsphase inklusive Magisterarbeit hatte. Gut, es handelt sich um einen renommierten Kollegen, aber ist das wirklich ein Argument? Bei der Jagd nach Exzellenz und den besten Studierenden gerät immer mehr die Masse aus dem Blick und das liegt vielleicht nicht nur an den schlechten Betreuungsrelationen.

Eigentlich wollte ich hier heute über einen Vortrag von Rüdiger Nehberg kurz berichten, den dieser heute abend im Audimax der Uni gehalten hat, u.a. über die Verstümmelung von Frauen; zu dem Thema gibt es sicher auch kompetentere Schreiber.

Dienstag, 27. November 2007

Prüfungsstress

In der Süddeutschen Zeitung gibt es Infos gegen Prüfungsstress. Dort geht es zwar um Vorstellungsgesprüche oder Gespräche mit dem Chef, aber die Tips sollten auch gegen eine normale BA-Prüfungsangst helfen, die, wenn ich so einige Meldungen der letzten Zeit richtig deute, auch bei unseren BA-Studierenden zunehmend auftritt. Übrigens helfen, speziell bei Magisterprüfungen, auch Testprüfungen in Examensseminaren.

Freitag, 2. November 2007

Was ist ein Plagiat - oder wann darf man Anführungszeichen weglassen?

Eine Frage, die sich bei Plagiatsfällen oft stellt, ist die, wann ein solches Plagiat vorliegt. Eric Steinhauer hat jetzt in seinem Blog auf so einen Fall verwiesen, die Juristische Methodenlehre von Hans-Peter Schwinkowski. Eine Rezension hatte vor allem viele nicht gekennzeichnete Zitate einer von Schwinkowski betreuten Dissertation gefunden. Der Beschuldigte hat jetzt dazu Stellung bezogen. Neben ein wenig Einsicht findet sich dort die Argumentation, dass es sich um ein populärwissenschaftliches Werk handele, in dem etwas lockere Zitiertregeln möglich seien. Mag ja sein, aber: Seit wann handelt es sich um Bände bei utb (dort in der Reihe Basics, Recht und Wirtschaft erschienen) um eine populärwissenschaftiche Reihe? Es handelt sich doch wohl eher um eine Einführung für Studierende. Bemerkenswert ist dann die Schlußfolgerung des reuigen? Autors: "Das ändert selbstverständlich nichts daran, dass die Anforderungen an die Zitiertechnik hoch wissenschaftlicher Werke (Dissertationen/Habilitationen) völlig anders sein muss. Auch die Anforderungen an die Zitiertechnik im Rahmen von Studien- oder Magisterarbeiten der Studierenden müssen andere sein..."

Jetzt wird alles klar: es gibt populärwissenschaftliche Werke, hochwissenschaftliche Werke und dann wohl auch tiefwissenschaftiche Werke sowie Studien- und Magisterarbeiten. Entsprechend darf man oder darf man nicht wörtliche Zitate kennzeichnen. Und da Professoren offenbar Deutungshoheit haben und keine Habilitationen mehr schreiben müssen, entscheiden sie beim eigenen Werk über dessen Stellung. Was also für Studierende und Doktoranden Pflicht ist, ist für Professoren dann noch lange nicht billig

Und merke: bei utb gibt es populärwissenschaftliche Werke, in denen etwas freizügiger aus fremden Texten ztiert werden kann, ohne dies kenntlich zu machen. Na, dann ist ja alles gut.

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