Web 2.0

Dienstag, 3. September 2013

Digitale Geschichtswissenschaft

AG Digitale Geschichtswissenschaft

Heute fand in Braunschweig eine vielbeachtete Tagung der AG Digitale Geschichtswissenschaft im Deutschen Historikerverband statt - und ich bin nach einer Stunde enttäuscht gegangen. Vielleicht war das ein Fehler, aber das Interessante der ersten Stunde waren ohnehin nicht die "analogen" Elemente der Tagung, sondern die digitalen, sprich die Twitterkommentare (#digigw2103). Auf der Rückfahrt habe ich nicht nur weiter bei Twitter reingesehen, sondern auch überlegt, was mich so irritiert hat. Ich möchte das hier kurz zusammen fassen:

Zunächst und zuallererst hat mich die Tatsache verstört, als sei das Digitale noch immer etwas Neues. Vor 15 Jahren hätte ich das noch verstanden, aber nicht mehr heute. Wir sind längst alle in einer digitalen (ich habe hier mal von der dialogen Welt geschrieben) Welt angekommen, ob uns das nun passt oder nicht. Einige tun allerdings immer noch so, als gelte das nur in eingeschränktem Maße für sie. So konstruieren sie sich weiter eine analoge Welt. Dass die Bücher, auf die sich so gern bezogen wird, längst nur noch in Teilen analog sind, wird dabei gern vergessen. Von der Emailkorrespondenz, vom Nachschlagen in Wikipedia oder bei HSozKult ganz zu schweigen.

Daraus ergibt sich die Frage, weshalb wir von digitaler Geschichtswissenschaft sprechen, wo doch Geschichtswissenschaft wie unsere gesamte Wissensgesellschaft längst auf digitalen Beinen steht. Das Problem ist eher der Grad des Digitalen.

Damit hängt mein zweites Problem zusammen: Wenn letztlich alles digital ist, müssten wir stärker differenzieren zwischen unterschiedlichen, sagen wir mal, Nutzungsszenarien. Mir fällt da eine grobe Zweiteilung ein:

Zum einen die alltägliche Nutzung etwa über das Bloggen, das Arbeiten mit Studierenden über das Wiki in Stud.Ip oder über Moodle, das Bearbeiten von Wikipedia-Artikeln (gut, habe ich schon länger nicht mehr gemacht) oder einem anderen Wiki, wie unsere LWG. Dazu gehört für mich auch das Lesen von eBooks oder pdfs (etwa die Bücher aus digi20) und manches mehr.

Daneben ließe sich die wissenschaftliche Arbeit im engeren Sinn positionieren, also größere digitale Projekte wie ein Buch bzw. eine komplexe Website, ein digitales Forschungsprojekt. Das ist der Bereich, der am ehesten mit dem traditionellen, in wissenschaftlichen Verlagen publizierten Büchern verglichen werden kann und bei dem sich das Problem der Qualitätssicherung am ehesten stellt.

Davon abgrenzen würde ich die großen Digitalisierungsprojekte der Archive und Bibliotheken. Das ist im Kern keine Aufgabe von Historikern und sollte m.E. hier nicht weiter diskutiert werden, auch wenn die Ergebnisse der Digitalisierung für Historiker von größter Bedeutung sind.

Was mich weiter wundert, ist die Haltung vieler Diskutanten, die eher in die Richtung geht: Ach, muss man das denn auf so neue Art machen, es ging doch auch anders (analog) ebenso gut. Oder: Ja, aber da ist doch die "Maschine" einfach zu präsent, wir dürfen den menschlichen Faktor nicht vernachlässigen. Was mir fehlt, ist eine Haltung, die etwa so formuliert: Es gibt da ein Problem, eine Frage, eine Herausforderung, die wir bislang nicht  lösen konnten. Lasst uns doch mal sehen, ob wir das nicht mit Hilfe digitaler Möglichkeiten hinkriegen können. (Und das ist vorsichtig formuliert.)

Für mich sind immer noch die Genealogen vorbildlich. Sie brauchen viele Daten, um Lebenswege und Biographien verfolgen zu können. Diese Daten kann ein Einzelner oder eine kleine Gruppe nie zusammen stellen, aber viele, miteinander verknüpft Arbeitende können das dann doch. Etwa mehrere Millionen Datensätze von Soldaten des Ersten Weltkriegs erfassen, damit sie anschließend von anderen ausgewertet werden können. Warum kriegen wir Wissenschaftler das nicht hin? Ansätze gab es vor langer Zeit, als Stuart Jenks das Zeitschriftenfreihandmagazin mit vielen anderen Kollegen erstellte. Aus heutiger Sicht ist davon das Ergebnis veraltet, hier haben die Bibliotheken "ganze Arbeit" geleistet und es ist ein damals wohl kaum vorstellbarer Fortschritt gelungen. Die Methode aber ist, falls ich das richtig sehe, nicht fortgeführt worden. Die Methode besteht für mich darin, die uns an mehreren Stellen zur Verfügung gestellte Infrastruktur des Netzes zu nutzen und sie zu verknüpfen mit einem geringen Zeitaufwand. Wenn das genug Leute machen, kann etwas gelingen, was bis dahin nicht möglich war.

Ein Beispiel: Wir erfassen auf Anregung von Christoph Rass (der das in noch größerem Stil in Osnabrück macht) gerade Gefallenenlisten des Ersten Weltkriegs. Diese Daten sollen anschließend nach sehr unterschiedlichen Aspekten ausgewertet werden, etwa wo und wann die Soldaten gefallen sind, ob sie Ehefrauen hinterließen u.a.m. Ganz nebenbei führt uns die Auswertung dieser Daten auch zu einem neuen, differenzierten Verständnis des Krieges. Bei der Arbeit sind wir auch auf Orts- und Kirchenchroniken gestoßen. Vermutlich wird es in den nächsten Jahren weitere lokale Projekte geben, weil eine kleine Arbeitsgruppe (bei uns sind Studierende eines Projektseminars) nur ein begrenzte Anzahl von Daten erfassen können. Bei einem kollaborativen Projekt mehrerer Hochschulen würde sich die Datenbasis und würden sich die Perspektiven auf das Thema erheblich erweitern. Im Augenblick versuchen wir auf regionaler Ebene zu einer engeren Kooperation mit Laienforschern zu kommen ("Wissenschaft trifft Laienforschung" oder anders: Cizizen Science).

Das Faszinierende aus wissenschaftlicher Sicht besteht für mich darin, dass wir durch - kostengünstige! - Kooperation Zusammenhänge herstellen und vermitteln können, die mit den bisherigen Methoden überhaupt nicht denkbar waren.

Das geht aber in eine andere Richtung, in die freiwilliger Kooperation, gegen eine teure Drittmittelpolitik, gegen Institutionalisierung. Das soll sich nicht gegen gute und aufwendige Drittmittelforschung richten, aber Digital Humanities können m.E. in einem bestimmten Rahmen auch gut ohne Drittmittel auskommen.

Montag, 25. Oktober 2010

Bücher aus Wikipedia-Artikeln

Was die Wikipedia ihren Nutzern als Service, als Buchfunktion, anbietet, haben sich offenbar findige Verlage zunutze gemacht, um arglose Käufer und auch Bibliotheken zu täuschen. Eine Software bündelt zu einem Oberthema passende Wikipedia-Artikel, erstellt Titel und Cover und bietet das ganze beim Online-Buchhandel zum Kauf an. Ein Beispiel, in dem aber auf die Herkunft des Inhalts hingewiesen wird, findet sich hier. Erst bei einer Bestellung wird das Buch schließlich gedruckt. Opfer dieser Art der Geschäftemacherei ist mittlerweile auch die Niedersächsische Landesbibliothek geworden wie aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung hervorgeht. Es gilt also: "Augen auf beim Online-Bücherkauf!"

Samstag, 28. August 2010

boerne4u

Ich habe einen neuen kleinen Blog speziell zum iPad eingerichtet, auf dem ich Hinweise, Links und eigene Erfahrungen veröffentlichen möchte: http://boerne4u.tumblr.com/

Freitag, 27. August 2010

Wenn Deutschland das Internet entwickelt hätte

Auf diesen interessanten Beitrag verweist Klaus Graf:
http://netzwertig.com/2010/08/25/digitalisierung-wenn-deutschland-das-internet-entwickelt-haette/

Hinzuzufügen wäre noch, dass weder das Telefon noch der PC realisiert worden wären, wenn die seinerzeitigen Experten entschieden hätten. Erschreckend dennoch diese Angst vieler Deutschen, die sich für alle möglichen Interessen nutzbar machen lassen. Datenspeicherung durch den Staat? Verkauf wirklich sensibler Daten von Bundesbehörden? Nie von gehört!

Und die Presse spielt dies Spiel gern mit, damit kann man auch wunderbar ablenken. Ich hoffe, dass diese Rechnung nicht aufgeht.

Dienstag, 19. Januar 2010

Twitter im Hörsaal

Beispiele, Verweise auf andere Blogs und ein Video über praktische Erfahrungen mit Monica Rankin, finden sich hier.

Sonntag, 17. Januar 2010

Der digitale Mob

Jaron Laniers kritische Auseinandersetzung mit der Schwarmintelligenz in der FAZ.

Freitag, 5. Dezember 2008

Fotos des Bundesarchivs gehen bei Wikipedia online

Das Bundesarchiv ist eine Kooperation mit Wikipedia eingegangen. 100.000 Fotos sind online gegangen und stehen jetzt bei Wikipedia unter einer Creative Common Lizenz zur Verfügung. Mehr dazu hier.
Ein großer Schritt für die Open Access Bewegung, ebenso wie für jeden interessierten Nutzer.

Dienstag, 9. September 2008

Und noch mal zum Thema Open Access

Heute ist ein interessanter Artikel im Spiegel online zum Thema Publizieren in Fachzeitschriften. Dass dieses Thema in Deutschland so wenig voran kommt ist ärgerlich. Die Vorurteile sind sogar unter den Studenten verbreitet. Dabei sollte so ein Artikel, wie der im Spiegel doch deutlich aufzeigen, das andere Möglichkeiten nötig sind. Da bietet sich Open Access doch an. Es will mir einfach nicht in den Kopf, warum so intelligente Leute sich von Fachverlagen dermaßen gängeln lassen, anstatt selbst über ihre Arbeit zu bestimmen.

Mittwoch, 6. August 2008

Die EEE-Box kommt

Da ich weiß, dass es hier Fans des EEE-PC gibt, möchte ich gleich auf die neueste Variante von Asus aufmerksam machen. Die EEE-Box kommt. Vorbei die Zeiten der großen PCs. Es gibt bald mehr Platz auf dem Schreibtisch...
Genaueres gibt es hier

Dienstag, 19. Februar 2008

Digital Ethnography

Ein interessantes Projekt hat Michael Wesch, Juniorprofessor für Kulturanthropologie, an der Kansas State University auf die Beine gestellt. Gemeinsam mit den Studierenden seiner Digital Ethnography Working Group untersucht er die Nutzung digitaler Technologien und die damit verbundene Veränderung unserer Kultur und (Informations)Gesellschaft.

Einige Ergebnisse stellt Michael Wesch, ganz im Stil des Web 2.0, in interessanten Videos auf seinem YouTube Channel vor. Unter anderem wird auf die Veränderungen in der Datenorganisation eingegangen, aber auch auf die Frage, ob die heutige Form der Lehre an Universitäten noch zeitgemäß und sinnvoll ist.

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