Dienstag, 21. Oktober 2008

Von der Banalität der Ortsgeschichte

Es ist schon erstaunlich: Seit über 20 Jahren widmet sich die Geschichtswissenschaft auch Aspekten der Alltagsgeschichte, der Kulturgeschichte, der Sozialgeschichte. In den 1980er Jahren haben wir in Niedersachsen zudem eine intensive Heimatforscherausbildung betrieben (die es in anderen Bundesländern nie gegeben hat, zumindest nicht in dieser Form). Aber an einem hat sich nichts geändert: an der Banalität vieler Ortschroniken. Am Historischen Seminar bei uns in Hannover sind in den letzten Jahren immer wieder Abschlussarbeiten entstanden, die sich der Analyse von Ortsgeschichten widmen; gerade habe ich eine solche Arbeit gelesen, die die Darstellung von Kriegsgefangenenlagern des Ersten Weltkriegs widmet. Das Ergebnis ist sich immer ähnlich. Neuere Ansätze zur Interpretation der Vergangenheit fehlen, es dominiert eine standardisierte Darstellung ("alte Quellen erzählen"). Das Unbequeme findet selten Eingang in diese Darstellung. Nun könnte man einwenden, dass von Laien ja nichts anderes zu erwarten ist, aber das stellt mich nicht zufrieden. Es stellt sich mir eine andere Frage: Warum schaffen wir es nicht, unsere Forschungsergebnisse so zu vermitteln, dass sie auch von interessierten Laien aufgenommen und entsprechend den eigenen Wünschen umgesetzt werden können?

Dienstag, 14. Oktober 2008

Generalplan Ost

Die DFG präsentiert eine Ausstellung (der Broschüre auch im Netz als pdf verfügbar ist) über den Generalplan Ost. Aus niedersächsischer Sicht ist dies deshalb ein wichtiges Thema, weil wichtige Protagonisten dieser Planung nach 1945 in Niedersachsen aktiv waren und wichtige ideologische Positionen Eingang fanden in Landes- und Regionalplanung.
DFG - Ausstellung: Wissenschaft, Planung, Vertreibung. Der Generalplan Ost der Nationalsozialisten.
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LWG wieder online

Nachdem wir am Historischen Seminar in den letzten Wochen Serverprobleme hatten, ist jetzt zumindest wieder die Lernwerkstatt online.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Die Zeiten ändern sich, 2

Jetzt ist die ökonomische Krise und vielleicht ist das unsere letzte Chance. Mit den alten Methoden und den alten Unternehmen, so scheint es mir, ist eh keine Veränderung möglich. Zwar behaupten sie alle, dass sie nur der Zukunft zugewandt  sind, aber vielleicht können sie das auch nur tun, weil sie keine Ahnung von der Vergangenheit haben und deshalb gar nicht bemerken, wieviel Vergangenheit sie mit sich rumschleppen. Da macht die Meldung der HAZ doch neugierig, dass Karmann in Osnabrück nicht mehr die Großen mit Sonderbauten beliefern wird (das Geschäft ist tot), sondern ein Elektroauto bauen will. Während die Zetsches noch herum schwadronieren, handeln andere und die können es vielleicht auch besser, weil sie nicht den Ballast der Vergangenheit.
Aus niedersächsischer und regionale Sicht ist das auch eine wichtige Nachricht, denn unser Bundesland "hängt" viel zu sehr an VW; es braucht neue Lösungen. Interessant übrigens, dass diese Impulse aus dem Westen des Landes kommen, obwohl Südostniedersachsen (SON) in den letzten Jahren sich fast komplett auf die Autoindustrie, auch in Sachen Forschung, konzentriert hat.

Die Zeiten ändern sich.

Der aktuelle Vergleichstest der beiden bekanntesten Officepakete in der neuesten c't fällt ziemlich ernüchternd aus, denn, mal abgesehen von vielen Funktionen und der Tatsache, dass Word 2007 nicht mehr bei langen Dokumenten abstürzt, bekommt man nicht den Eindruck, dass eine der ältesten Anwendungen auf dem PC wirklich ausgereift ist. Als Auch-Mac-User (dank EEE Pc arbeite ich auch wieder mit XP), macht mich die Situation der Textverarbeitungen ohnehin nicht froh, denn Word ist träge, Pages noch nicht wirklich konkurrenzfähig und das neue OO 3.0 ist für den Mac kaum benutzbar.
Aber vielleicht sind wir jetzt doch bald diese mehrere hunderte MB fetten und trägen Kolosse bald los. Sowohl Google Docs als auch Zoho Writer bieten schnelle, unter jeder Plattform nutzbare Textverarbeitungen, die zwar noch funktionelle Nachteile haben, aber dank Gears auch lokal Daten ablegen können und richtige Teamfähigkeit besitzen. Und vielleicht bieten diese Online-Lösungen endlich auch neue Ansätze in der Benutzerführung wie etwa Adobe (www.acrobat.com). Spannende Zeiten jedenfalls von Word u. Co.

wikipedia

In der Berliner Zeitung gibt es an diesem Wochenende ein interessantes Interview mit Jimmy Wales. Was mir - neben seiner Tochter - an diesem Interview besonders bedenkenswert erscheint sind zwei Dinge:
Zum einen weist er auf die Fähigkeiten mancher Hobbyforscher hin, die in bestimmten Fächern (nicht allen, wie etwa Physik) über umfangreicheres Wissen verfügen als Fachleute. Vielleicht ist das auch der Grund, weil manche Fachvertreter so empfindlich auf die Wikipedia reagieren.
Der zweite Aspekt ist sein Hinweis auf die soziale Seite jeder Wissensvermittlung. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb Fachleute so wenig von der Wikipedia halten, denn ihr in ihrer Disziplin erworbenes Ansehen zählt unter den Bedingungen der Wikipedia nur wenig, sondern muss in einer anderen Gruppe erneut erworben und dauernd verteidigt werden.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Leerzeichen

Was man so alles mit Leerzeichen machen kann: nicht nur ein Beispiel eines Informatikers, sondern manche Historikerdateien sehen ähnlich aus, aber es wird besser ;-)

Freitag, 3. Oktober 2008

Fortschritt?

Dieses Wochenende, so dachten wir, fahren wir mal richtig dekadent: 1. Klasse im ICE, wir hatten Freikarten geschenkt bekommen. Doch welche Enttäuschung, wir armen Toren. Gut, wir saßen auf Leder und alle paar Minuten kam ein netter Mitarbeiter vorbei und bot uns Kaffee an, aber sonst? Marginale Unterschiede. Die Bahn rumpelte über die Strecke, fuhr mit gefühlten 50 km/h durch die Landschaft - in Wirklichkeit war es etwas mehr. Das ist zwar auch in der 2. Klasse so, aber da ist man ja auch bescheidener... Jedenfalls hätte sich ein D-Zug der 30er Jahre vermutlich geschämt, wenn er mit dieser lahmen Geschwindigkeit durch die Lande gefahren wäre. Ich schreibe dies deshalb, weil sich noch alle über die gute alte Dampflok lustig machen. Dabei war man im 19. Jahrhundert in diesen Dingen schneller und effizienter als wir heute im modernen (?) Deutschland.
Ach ja, exklusiv ist die 1. Klasse auch nicht. Unsere Mitreisenden klärten uns auf, dass sie die 1. Klasse-Karten deutlich günstiger als die der 2. Klasse erstanden hatten - wieder so eine unverständlicher Unsinn unserer Bahn-Oberen.
Aber jetzt sind wir in Basel und genießen diese wunderbare Stadt, so hat die Bummelbahnfahrt doch noch einen krönenden Abschluß gefunden. Und dennoch: was muss das für ein Gefühl gewesen sein, vor unvordenklichen Jahrzehnten mit dem luxuriösen Rheingold, vielleicht bespannt mit einer bayerischen S 3/6 am Rhein entlang zu fahren? Davon können wir heute nur noch träumen.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Website Historisches Seminar und LWG

Aufgrund von technischen Problemen sind derzeit die Seiten des Historischen Seminars von außerhalb der Uni nicht erreichbar, auch die Lernwerkstatt. An einer "Notseite" wird gearbeitet.

Dienstag, 30. September 2008

Online Bibliothek

Seit gestern bietet Zotero für Nutzer der neuen Version 1.5 den Zugriff der Daten über eine Webinterface. Das Foto auf der verlinkten Seite stammt von einem iPhone und sieht nach mehr Optionen aus, als ich sie auf meinem Rechner (FF) sehe. Ein weiterer Grund, endlich ein iPhone zu kaufen?
Derzeit kann man offenbar nur die Daten ansehen, immerhin auch nach Sammlungen sortiert, der iPhone Screenshot deutet aber darauf hin, dass auch neue Eingaben möglich sein könnten.

Sonntag, 28. September 2008

Gemeineigentum

Eine der Fragen, die ich mir jedes Mal stellte, wenn ich in Amerika war, bestand darin, weshalb Menschen, die aus einer europäischen Kultur des Gemeineigentums kamen, dieses Element ihrer Kultur so schnell vergessen, wenn sie in den USA ankamen. Das Land wurde - bis auf wenige Reste - verteilt. Wenn man heute durch den mittleren Westen fährt, sieht alles offen und weit aus, bis man die Stacheldrahtzäune sieht.
Doch die Vorstellung eines Gemeineigentums scheint nicht vergessen zu sein, wenn man heute ansieht, welche Informationen im Netz zur Geschichte der USA zu finden sind. Das Bewußtsein, eine eigene Geschichte zu haben, führt dazu, dass es auch ein Bewußtsein gibt, die Geschichte der Nation allen zur Verfügung zu stellen, wozu nicht nur Schlüsseldokumente wie die Unabhängigkeitserklärung oder andere zentrale Texte der Unabhängigkeit oder des Civil War gehören. Ein weiteres Projekt stellt jetzt Footnote dar, das zwar auch private Erinnerungen bietet, jedoch diese mit einem umfangreichen Angeboten an weiteren Quellen verbindet.
Allerdings stößt man auch relativ schnell neben freien Dateien wieder auf solche, die nur gegen Geld verfügbar sind, hier bleibt also das Gemeineigentum doch wieder begrenzt.

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