Museen

Donnerstag, 27. Juni 2013

Museum der Zukunft, Interview mit der Leiterin des Fischer- und Webermuseums in Steinhude

Frage nach dem Stellenwert neuer Medien für das Museum. Antwort:

"So wichtig auch die Printmedien und Presseartikel sind – dort kann ich zwar durch eine Pressemitteilung eine Textvorgabe einreichen, ob die aber abgedruckt wird, steht außerhalb meines Einflusses. Die Website, den Blog, Facebook,.. pflege ich selbst und habe die Möglichkeit, das Profil des Museums so zu kommunizieren, wie es in Konzept oder Leitbild steht, bzw. mit dem Vorstand abgestimmt ist. Das ist doch eine riesige Chance!"

https://dermuseumsheld.wordpress.com/2013/06/25/museum-der-zukunft-summertalk-mit-sandra-kilb-steinhuder-museen/

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Endlich

Wer meine letzten Einträge gelesen hat, wird gesehen haben, dass sich manche Selbstdarstellungen im Netz über das Bloggen und die Nutzung anderer Elemente des Web 2.0 einfach nur nerven. Nicht, weil ich das alles für falsch oder überflüssig halte, sondern weil ich dieses Schreiben über Sachen wenig interessiert, sondern das, was ich damit machen kann. Immerhin habe ich heute bei der Durchsicht neuerer Blogs doch zwei Beiträge gefunden, die zeigen, dass es anderen ähnlich ergeht: Ladislaus in einem Kommentar bei Archivalia und Patrick Sahle in einem Kommentar vom Historikertag. Zu Sahle noch ein Hinweis: Solange wir in den Seminaren zusammen zucken, wenn Studierende einen Laptop dabei haben (" die hören mal wieder nicht zu und sehen irgendwelche Filme an"), wird sich da wenig ändern. Derzeit scheint es "schick" zu sein, sich auch mit dem Bloggen und derlei Dingen zu beschäftigen, aber in der Alltagspraxis weiterhin auf die alten Methoden zu setzen.

Sonntag, 30. September 2012

Das etwas andere Freilichtmusuem

Regionale Bauernhausmuseen haben nicht nur in der Regel mit dem Manko zu kämpfen, dass sie  zum einen Gebäude und somit eine Geschichte präsentieren, die transloziert und damit konstruiert wurde, und sich zweitens nur schlecht von einer vordergründigen oder zumindest indirekten Agrarromantik lösen können. Das erste Problem bedeutet, dass im Museum eine vermeintlich authentische Wirklichkeit gezeigt werden soll, die auf den ersten Blick auch so wirkt. Hübsch eingerichtete Wohnungen vermitteln das Gefühl, ja, so hat es damals ausgesehen. Dass hier Idealbilder vermittelt werden, wird oft nicht bewußt gemacht - und interessiert vielleicht auch niemanden. Dann ist da noch das schöne Bauernhaus, das alle Bilder vom schönen Dorfleben früher unvermeidlich propagiert - Aufklärung hin oder her.

Wenn man in Mecklenburg  unterwegs ist, dann ist die Sache schon etwas komplizierter. Zum einen gab es in den letzten 200 Jahren nur wenige Bauern in diesem Land. Mit anderen Worten: Bauernhausromantik kann sich hier schon allein deshalb nur selten einstellen. Statt dessen gibt es kleine Tagelöhner- und Landarbeiterhäuser auf der einen und große Herrenhäuser auf der anderen Seite. Dann ist Mecklenburg ehemaliges DDR-Land, wo die Bodenreform nach 1945 besonderen Sinn machte (sie wurde übrigens auch kurzfristig im Westen propagiert ...). Hier wurden die großen Güter zerschlagen und viele Neubauernstellen eingerichtet, also die Zahl der Kleinstellen noch einmal erhöht. Das Ganze mündete dann in der Kollektivierung, oder im Weg "Vom Ich zum Wir", wie damals propagiert wurde. Wer sich diese mehrfach gebrochene Geschichte ansehen will, der sollte einmal nach Alt-Schwerin am Plauer See fahren. Was gibt es dort zu sehen:
- ein Museum, das keine translozierten Gebäude kennt (nur ein transloziertes Tor), sondern solche, die dort schon bei der Gründung des Museums gestanden haben: ein Herrenhaus, ein Neubauernhaus, Tagelöhnerkaten, eine Schnitterkaserne von 1904,
- ein Museum, das die DDR-Geschichte nicht ausblendet, sondern die Geschichtsdeutung der DDR sogar authentisch vermittelt, und zwar in einer großen Dauerausstellung von 1988, die in der Schnitterkaserne zu sehen ist. Ja, richtig, sie stammt aus der DDR und sie steht dort immer noch. D.h. hier endet die Dorfgeschichte mit der Kollektierung und Mechanisierung der Landwirtschaft in der DDR.

Das Museum wurde Anfang der 1960er Jahre gegründet und es hatte ab 1970 ein besonderes Highlight zu bieten: In der großen Tagelöhnerkate lebte damals noch eine Familie mit zwei Kindern. Die Eltern arbeiteten in der LPG und bewohnten eine Wohnung in einem Haus, das schon zum Museum gehörte. 1970 bekamen sie eine Neubauwohnung, dafür mussten sie ihre alte Wohnung zu verlassen, wie sie war, alles blieb - so heißt es jedenfalls - in situ. Und so ist es geblieben. 2000 musste die Wohnung nach 30 Jahren Dauergebrauch renoviert werden. Dauergebrauch heißt offenbar wirklich "Gebrauch". Auf dem Sofa soll der Museumsdirektor auch mal ein Nickerchen gemacht oder das Ehebett für abendliche Besucher zur Verfügung gestellt haben. Hier wurde also gewissermaßen weiter gelebt und nicht nur besichtigt.

In diesem Jahr wurde das Museum um einen neuen Bereich erweitert. In mehreren Hallen und einem neuen zentralen Verwaltungs- und Besuchertrakt wird vor allem das Verhältnis von Maschine und Landwirtschaft beleuchtet: dort gibt es Feldbahnen, Traktoren, Lkw, Mähdrescher und viel mehr, sogar zwei Flugzeuge. Technikfans können hier auf ihre Kosten kommen - und den Hannoveraner freut es, mehrere HANOMAG-Traktoren vorzufinden. Dazwischen gibt es für Kinder thematisch passendes Spielgerät. Gerade dieser Bereich verweist auf einen Aspekt der neueren Landwirtschaft, dem man nicht immer in Westdeutschland begegnet: der Mechanisierung. Sie war schon früh ein Thema in Mecklenburg und sie bildet ein zentrales Thema für die DDR-Landwirtschaft.

Also auf, nach Alt-Schwerin, hier gibt es was zu entdecken, nicht besonders didaktisch aufgebaut, aber vergleichsweise authentisch, der Besucher muss und kann auf eine eigene Entdeckungsreise gehen. Aber Vorsicht: das Museum ist im Dorf und zu schnell ist man über die gerade Dorfstraße durch das Dorf gefahren, ohne das Museum überhaupt gesehen zu haben. Und eigentlich heißt es auch nicht mehr Museum, sondern „Agroneum".

http://www.museum-alt-schwerin.de

Montag, 10. September 2007

Geschichte in Museen

Die Thomas-Morus-Akademie hat im August eine Tagung zum Thema "Magie der Geschichte" durchgeführt, über die jetzt H-Soz-Kult berichtet. Der Tagungsbericht weist die Spannweite der unterschiedlichen Ansätze auf, wie Museen sich der Herausforderung der Geschichtsvermittlung zwischen kritischer Auseinandersetzung mit Konstruktionen von Vergangenheit und dem - offenkundigen oder vermuteten? - Unterhaltungsbedürfnis der Besucher stellen. Angesichts des hohen theoretischen Aufwandes, der in Deutschland um historische Museen getrieben wird, überrascht immer wieder, wie unambitioniert, im Detail fragwürdig und in der Gesamtpräsentation eher veraltet wirkend, sich häufig deutsche Museen dem Besucher stellen. Zwischen theoretischer Überlegung und konkreter Verwirklichung liegt häufig ein tiefer Graben, den es vielleicht einmal stärker auszuloten gäbe, als dies auch in der genannten Tagung geschehen ist. Ein Beispiel dafür liefert die Ballinstadt in Hamburg, insbesondere die "Erlebnis-Ausstellung zum Thema Auswanderung", wie es auf der eigenen Hompage heißt. Das, was auf dem Papier bzw. Bildschirm noch überzeugend klingen mag, entpuppt sich beim Besuch als eine tönende, lärmende Melange an Texten, Bildern, Tönen, Assoziationen. Struktur, Konzept, kritischer Umgang mit den Themen, Texten und Objekten haben wir (drei Hannoverander Historiker) vergeblich gesucht. Einige der Installationen ließen uns ratlos zurück, bei anderen stimmten die Bilder und Argumente nicht (wer von Bord eines Auswandererschiffes ging und kurz vor der Ankunft in New York stand, dürfte kaum an Heimat und Heimweh gedacht haben; warum gerade ein animiertes Pferd das New York des späten 19. Jahrhunderts symbolisieren soll, bleibt unergründlich). Irgendwie ist eben alles Auswanderung, Migration, Bewegung. Nachdenken, Zusammenhänge herstellen, Konstruktionen als solche sehen - und in Frage stellen - das alles haben wir vermißt. Statt dessen wird eine konstruierte Welt dem Besucher geboten.

Dass Wissenvermittlung auch die Herstellung eines gemeinsamen Vorwissens voraus setzt, wurde bei dieser Präsentation völlig übersehen. Vielleicht hätte man mit dem Museum für Hamburgische Geschichte kooperieren soll, das in seiner ebenfalls neu eröffneten Ausstellung "Aufbruch in die Moderne" (als Reaktion auf die Ballinstadt?) mit zwei kurzen, aber sehr gelungenen Einführungen zum Thema Auswanderung und Einwanderung beginnt und dem Leser die Chance gibt, das Folgende zu verstehen und einzuordnen. Allerdings waren wir hier fast allein, während die Ballinstadt zumindest am Vormittag von Schulklassen und rüstigen Rentnern gerade überrannt wurde. Sucht das Publikum also doch die schnelle Abwechslung oder fällt es schneller auf Marketing herein, denn die Ballinstadt wirbt gleich mit günstigen Bahnfahrkarten auf ihrer Homepage.


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Freitag, 13. Juli 2007

Museen

Das DHM  (das Deutsche Historische Museum) gehört zu den Museen, die einerseits reichliche Ressorucen zur Verfügung, andererseits eine besondere Aufgabe zu erfüllen haben, nämlich "die" deutsche Geschichte darzustellen. Das endet schnell mit einem vorsichtigen Taktieren, statt des Versuchs, neue Wege zu gehen. In der neuen Dauerausstellung des DHM ist dies Ergebnis zu betrachten. Viele Exponate und Museumsmacher, denen irgendwann im Verlauf der chronologisch erzählten Geschichte offenbar der Spaß am Darstellen verloren gegangen ist. Dass das nicht nur der oberflächliche Eindruck eines Besuchers ist, läßt sich jetzt, differenzierter nachlesen bei HSozKult.


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