Mittwoch, 19. Januar 2011

"Ist die ländliche Peripherie männlich?"

Fragt ein neuerer Artikel des Leibniz-Instituts für Länderkunde vom 24.11.2010. Er veweist damit auf ein Problem, das in diesem Fall für die letzten 20 Jahre untersucht wurde, sich aber in einer viel längeren historischen Entwicklung wiederfindet. Schon um 1900 wurde darüber geklagt, dass Frauen lieber die Dörfer verlassen würden. Das war damals aus der Sicht mancher Akteure deshalb kritikwürdig, weil erstens die Frauen oft ihre Männer "mitzogen", dann aber auch, weil Frauen begehrte, da gute und billige, Arbeitskräfte auf dem Lande waren. Noch bis in die 1950er Jahren waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen auf dem Lande deutlich schlechter als für Männer. Kein Wunder also, dass viele wegzogen. Doch an dem Wegzug von Frauen vom Lande hat sich seitdem nicht viel geändert. Sendungen wie "Bauer sucht Frau" sind also keineswegs nur Fantasieprodukte von Privatsendern, sondern sie verweisen auch auf ein strukturelles Problem. In dem zitierten Artikel wird übrigens erwähnt, dass eine norwegische Gruppe die Zurückgebliebenen, also vorrangig die Männer, keine Problemgruppe seien, da das Land ihnen vergleichsweise gute Arbeitsbedingungen biete.

Diskussion mit Moshe Zimmermann zu "Das Amt" in Hannover

Aufgrund der anhaltenden Debatte um das in Buchform gebrachte Ergebnis der Historikerkommission zur Beteiligung des Auswärtigen Amtes an den nationalsozialistischen Verbrechen veranstaltet die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Moshe Zimmermann, einem der vier Autoren der Studie, im Januar und Februar eine Lesereise. Am Montag den 24.01 um 19 Uhr findet daher in Hannover im Pavillion am Raschplatz unter der Leitung von Prof. Joachim Perels eine Diskussion mit Zimmermann statt.

Neues zum Goldenen Brief

Bilder der HAZ vom Goldenen Brief.

Sonntag, 16. Januar 2011

Paul Nolte und die Wikipedia

Die ZEIT bringt einen Artikel über die Wikipedia und leitet sie mit einem Zitat von Paul Nolte ein, der sich arüber amüsiert, wie irritiert seine Studierenden sind, wenn er ihnen rät, sich in einen Sachverhalt mit Hilfe der Wikipedia einzulesen.
Was ich an dem Artikel aber noch interessanter finde, ist der Hinweis auf die Möglichkeiten des collaborativen Arbeitens mit Hilfe einer Wiki. Was viele übersehen, dass sich eine Wiki eben auch eigenständig einsetzen läßt (und entsprechend auch von vielen so genutzt wird). Für Hochschulzwecke haben wir unsere Lernwerkstatt Geschichte eingerichtet, wobei dort nur ausgewählte Autoren veröffentlichen können. Vielleicht sollten wir die Anregung aus dem ZEIT-Artikel bzw. den Kommentaren aufnehmen und dort stärker studentische Arbeiten veröffentlichen - eine wird sicher demnächst zu unserem neuen Schwerpunktthema "Transatlantische Migration" eingestellt werden. Dieses Thema wird übrigens zwei andere Wiki-Projekte aufnehmen: Zum einen haben im Rahmen unserer letzten Sommeruni eine Wiki zu den Briefen der Sophie Meinecke eingerichtet und zum anderen setzen wir derzeit begleitend zu meinem Seminar über Amerikaauswanderung ebenfalls eine Wiki ein. Es ist die in Stud.Ip integrierte Wiki, die mittlerweile gut verwendet werden kann.
Der nächste Schritt wäre in der Tat der Einsatz einer Wiki für Forschungszwecke. Ein, zwei Ideen habe ich schon dazu. Anregungen sind willkommen.

In eigener Sache

Ein netter Mensch hat für mich eine eigene Website erstellt: karl-schneider.com. Danke Florian!

Bauern?

Warum Bauern?

In der HAZ wird am Wochenende der ostfriesische Spruch "Lever dot as Slav" auf hochdeutsch übersetzt (und zwar in: "Wir sind das Volk"), in der Berliner Zeitung werden wieder mehr Teilzeitbauern gefordert und ich frage mich, was da los ist. Es scheint ja nun eine Reihe von Menschen zu geben (und dazu gehören leider auch immer wieder Historikerinnen und Historiker), die unter "Bauer" einen Landbewohner oder Dorfbewohner verstehen. Für den Agrarhistoriker (und den ehemaligen Dorfbewohner) krümmt sich dann schnell der Magen zusammen. Denn "Bauern" waren im Dorf noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein nur diejenigen, die sich Pferdegespanne leisten konnten, einen großen Betrieb also führten, und im Dorf die sozial unangefochtene Führungsposition einnahmen. Und da Landwirtschaft bis in die 1950er Jahre hinein extrem personalintensiv war, brauchten die Bauern immer Arbeitskräfte, die dann allerdings unter schlechten bis sehr schlechten Bedingungen für sie arbeiten mussten. Das "mussten" ist ernst gemeint, denn die eigentlich von Landarbeitern abhängigen Bauern schafften es, sich die anderen Dorfbewohner, die "kleinen Leuten" gefügig zu machen. Letztere hatten immer etwas Land zur Eigenbewirtschaftung und waren für die Bestellung ihres Feldes auf die Hilfe der Bauern angewiesen.

Und so waren besonders die ostfriesischen Verhältnisse von einer extrem krassen Unterscheidung zwischen Reich und Arm gekennzeichnet. Wenn dann heute so getan wird, als seien alle hier Freie gewesen, so werden schnell die Landarbeiter vergessen, deren Zustand näherte sich bedenklich dem der Sklaven an. Dass übrigens dieser Spruch auch gern in völkischen Kreise genutzt wurde und nicht so "unschuldig" ist, wie es die HAZ hinstellt (die aber gern "bedenkliche" Straßennamen anprangert), sei hier nur am Rande erwähnt.




Briefe des amerikanischen Bürgerkriegs

Archivalia verweist auf einen Artikel der New York Times über Dokumente des Bürgerkriegs, die in der New York Library aufbereitet. Interessant sind aber auch die kritischen Kommentare am Ende des Beitrags.

Donnerstag, 13. Januar 2011

iTunesU - endlich dabei

Das Angebot ist noch bescheiden, aber immerhin: Hannover ist jetzt bei iTunes U dabei.

Sonntag, 9. Januar 2011

Plagiatsfragen

Eine Übersicht mehrerer Websites zum Thema Plagiat bei Archivalia.

Samstag, 8. Januar 2011

Goldener Brief

Lange vergessen, aber jetzt wiederentdeckt: Goldener Brief in der Leibniz Bibliothek Hannover.

Preis für exzellente Lehre

Den diesjährigen Preis für exzellente Lehre der Leibniz Universität Hannover hat mein Kollege Mark Feuerle erhalten: http://www.uni-hannover.de/de/aktuell/presseinformationen/archiv/details/09865/. Herzlichen Glückwunsch!

Montag, 3. Januar 2011

Eisenbahn, Immigration und amerikanische Gesellschaft

Ein spannendes und gut gemachtes Projekt der University of Lincoln, Nebraska: "Railroads and the Making of Modern America".

Wirtschaftsgeschichte Niedersachsens nach 1945

Am 15.12. habe ich in der GWLB einen kurzen Vortrag zur Wirtschaftsgeschichte Niedersachsens nach 1945 gehalten, er findet sich in der LWG.

Freitag, 24. Dezember 2010

Frohe Weihnachten

Ich wünsche allen Lesern und Freunden dieses Blogs Frohe Weihnachten!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Europäische Geschichte Online - zum Teil

EGO, ein Portal, das vom Institut für Euroäische Geschichte in Mainz heraus gegeben wird, geht nach und nach online. Noch gibt es viele Leerstellen, aber es deutet sich ein Portal an, das für Studierende und Lehrende von Interesse sein wird. Die Artikel sind in vier Rubriken aufgeteilt: Zeit, Thema, Raum und Thread. Die Autoren sind durchweg bekannte Namen wie Heinz Duchhardt oder Wolfgang Schmale. Die Artikel sind miteinander verknüpft, In einer "Media Bar" können Bezugsartikel leicht aufgerufen werden. Noch allerdings steht hinter relativ vielen Artikeln ein Sternchen, was heißt, das sie erst 2011 erscheinen werden. Ein Schwerpunkt sind transkulturelle Geschichte und Migrationsgeschichte in unterschiedlichen Varianten. Der enführende Artikel zur "transkulturellen Geschichte Europas - migrationsgeschichtliche Perspektiven" stammt von Wolfgang Schmale. 

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