Nein danke, Schloss Charlottenburg!

Ein Besucher Berlins sollte sich auch das Schloss Charlottenburg ansehen. Sollte er wirklich? Unser Versuch, allerdings ohne Audio-Guide oder Führung, verlief fast schon deprimierend. 10 Euro werden dem normalen Besucher abgenommen, um nur das alte Schloss ansehen zu dürfen, für den neuen Teil werden dann noch mal 6 Euro fällig. Schon am Eingang beginnt die Konfusion. Toiletten? Ja, da hinten den Gang durch, dann links, dann rechts. Tatsächlich ist offenbar vorgesehen, dass Besucher nur am Ende ihres Rundgangs ein Bedürfnis verspüren, nicht am Anfang und dass sie auch noch Geld dafür bezahlen. "Dafür" ist eine in diesen Räumen völlig deplatziert wirkende, durch eine Milchglaswand abgetrennte Toilette, die nur auf den ersten Blick vielleicht als "schick" durchgehen könnte, nicht aber auf den zweiten. Nun ja, Fehler machen wir alle.
Doch es geht so weiter. Überall stehen gelangweilte Aufsichtspersonen, aber nirgendwo stehen Informationstafeln. Wo geht es weiter? Na hier, durch diese kleine, versteckte Tür. Wirklich beeindruckend ist aber die Besucherführung, wenn die Besucher keinen Guide, weder menschlichen noch technischen wollen. Es gibt in jedem Zimmer eine Texttafel, max. 2 Din-A-Seiten. Normale Schriftgröße (vielleicht 13 Punkt), geschrieben von einer Person, die mit dem Computer kämpfte - und verlor, weshalb sie offenbar zu Tip-Ex Zuflucht nahm, denn den Text zieren - neben einigen Schreibfehlern - diverse Schreiblücken. Die Texte sprechen jeder modernen Museumspädagogik Hohn. Sie sind einfach nur schlecht geschrieben.
Neben einem kleinen Übersichtsplan, damit der Besucher weiß, wo er ist, und dem Lückentext enthält diese Seite auch eine kurze Beschreibung aller Objekte im Raum. Diese sind selbst nicht weiter beschriftet. Offenbar war man außerdem der Meinung, dass diese Anordnung (keine Beschriftung oder Nummerierung der Objekte, die auf einer Meter entfernt stehenden Tafel kurz erläutert werden) den Besucher unterfordert, deshalb hat man noch einen drauf gesetzt. Die Schrifttafeln stehen so, dass man sie mit dem Rücken zum Zimmer lesen muss. Also: Gemälde suchen, zum Fenster laufen, die Aussicht genießen, überlegen, was man gerade gesehen hat, mögliche Beschreibung finden, lesen, das Objekt ggf. noch einmal ansehen. Perfekt!
Die Website verspricht eine "faszinierende Zeitreise". Das stimmt, es ist eine faszinierende Reise in eine überholte Museums- und Ausstellungsdidaktik.



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