Nationalsozialismus in Schaumburg

Soeben erschienen:
(aus der Mitteilung des Verlags, eine Besprechung folgt demnächst in diesem Blog):

Frank Werner (Hg.), Schaumburger Nationalsozialisten. Täter, Komplizen, Profiteure (= Kulturlandschaft Schaumburg 17), Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2009. ISBN 978-3-89534-737-5. Gb. 25 x 17 cm. 664 S. 97 sw. Abb. 2 farb. Abb. 1585 gr.

29,00 €

Mit dem biographischen Sammelband „Schaumburger Nationalsozialisten“ erscheint eine erste wissenschaftliche Bestandsaufnahme des NS-Führungspersonals in Schaumburg-Lippe und der Grafschaft Schaumburg. Im Mittelpunkt steht die lokale Machtelite, die kommunalen Spitzenbeamten und Parteifunktionäre, die maßgeblich über die Ausgestaltung der NS-Politik „vor Ort“ entschieden. Vermessen werden die Karrieremuster, die Selbst- und Weltbilder und die Handlungsspielräume, die sich auch am unteren Ende der Partei- und Staatshierarchie auftaten. Jenseits der biographischen Einsichten legen die Beiträge damit den spezifischen Akzent frei, der die regionale Herrschaftspraxis prägte. Neben die Repräsentanten des lokalen Establishments treten die „kleinen Akteure“, die durch Initiativen „von unten“ der Ausgrenzungspolitik zuarbeiteten – untere Chargen der NSDAP oder gewöhnliche „Volksgenossen“, Männer oder Frauen, die durch Denunziationen, Boykottaktionen und Gewaltübergriffe aktiv und selbstmotiviert zur Herstellung der „Volksgemeinschaft“ beitrugen. Darüber hinaus zeichnet der Band prominente Karrieren nach, die über Schaumburg hinausführten und überregionale Bedeutung beanspruchen können. So wird etwa die Rolle des Gauleiters und stellvertretenden Ostministers Alfred Meyer für die Vernichtungspolitik in der Sowjetunion erstmals präziser untersucht. Auch mit den Beiträgen über den Goebbels-Adjutanten Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe, den in Nürnberg verurteilten Tropenmediziner Gerhard Rose und den unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen Generalkommissar der besetzten Niederlande, Fritz Schmidt, vermittelt der Band neue, über den regionalhistorischen Horizont hinausgehende Erkenntnisse.


Frank Werner, Einleitung 11

Der regionale Machthaber: Alfred Meyer

Stefan Brüdermann

„Die Westfalen werden stehen oder fallen“

Alfred Meyer – Als Gauleiter und Reichsstatthalter in Schaumburg 31

Frank Werner

„Gewisse vorbereitende Arbeiten im Zuge der Endlösung“, Alfred Meyer – Manager der Ostpolitik und Teilnehmer der Wannsee-Konferenz 61

Funktionäre des NS-Regimes in Schaumburg

Frank Werner

„Schon die Bezeichnung Nazi lehne ich ab“, Karl Dreier – Der Landespräsident und die Verfolgungspolitik in Schaumburg-Lippe 95

Stefan Brüdermann

Pragmatischer Beamter im Dienst der „Volksgemeinschaft“, Hermann Gebbers – Landrat in Bückeburg und Stadthagen 169

Jan Wendorf

„Ich lebe und sterbe für meinen Führer!“, Gustav Reineking – Kreisleiter in der Grafschaft Schaumburg 215

Wilhelm Gerntrup

„Durch Menschlichkeit kann man Untermenschen nicht beikommen“, Albert Friehe – Bürgermeister in Bückeburg 243

Karsten Klaus

Nationalist, Opportunist, Nationalsozialist, Karl Wachsmuth – Bürgermeister in Rinteln 295

Propagandisten und Profiteure

Tanja Theiß

Journalist als Scharfmacher, Adolf Manns – Schriftleiter der NS-Zeitung „Die Schaumburg“ 321

Lu Seegers

Unternehmer zwischen Profit und Gewissen, Walter Schmidt – Eigentümer der „Schaumburger Steinbrüche“ 365

Schaumburger Karrieren im Nationalsozialismus

Christine Wolters

Humanexperimente und Hohlglasbehälter aus Überzeugung, Gerhard Rose – Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts 407

Thomas Riechmann

Vom Herrenreiter zum Adjutanten von Goebbels, Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe – Karriere im Propagandaministerium 445

Martin Steffen

Ehrenbegräbnis für einen Machtmenschen, Fritz Schmidt – Generalkommissar der besetzten Niederlande 481

Markus Hesse

„Eine ausgesprochene Führernatur“, Gustav vom Felde – SS-Karriere eines Schaumburger Juristen 503

Komplizen an der Basis

Frank Werner

Die kleinen Wächter der „Volksgemeinschaft“, Denunzianten, Boykotteure und Gewaltakteure aus Schaumburg 521

Michaela Kipp

„Strümpfe stopfen für den Führer“, Schaumburger Frauen im Nationalsozialismus 585



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