Das hier kurz vorzustellende Buch hat nur einen Nachteil, den falschen Titel, denn es handelt in einer viel umfassenderen Weise von mittelalterlichen Büchern. Denn es geht um Buchproduktion im Mittelalter und zu Beginn der frühen Neuzeit in einem umfassenden Sinn, d.h. beginnend mit den technischen Voraussetzungen der Anfertigung von Büchern bzw. Pergamenten über das Schreiben, die öffentliche Rolle der Schreibenden usw.
Das Buch zeigt außerdem, wie sehr auch im Mittelalter die Textproduktion gesellschaftlich verankert war; sie war teuer, fand in Kommunikationsnetzen statt, diente nicht nur der Wissensvermehrung, sondern auch der Repräsentation. Das Materielle spiegelte auch den Inhalt wider.
Und weshalb schreibe ich hier darüber? Immer wieder stößt der Leser auf Phänomene, die in der aktuellen Debatte um digitale Medien diskutiert werden, wie die fehlende Dauerhaftigkeit der Texte bzw. Medien (beim Übergang zum Buchdruck bestanden Bedenken, daß Bücher überhaupt dauerhaft halten könnten im Vergleich zum Pergament), die Verbindung von unterschiedlichen Medien (wie Bild und Text in der Manessischen Bilderhandschrift), die Klagen über das fehlende inhaltliche Interesse von Buchproduzenten (die eher an Geld interessiert waren) oder die Gefährdung der Texte der Autoren durch - in diesem Fall - Schreiber, die teilweise sehr frei mit den vorliegenden Texten umgingen.
Alles in allem eine spannende Lektüre auch für den Nichtmediävisten.
Claudia Brinker-von der HEYDE: Die literarische Welt des Mittelalters. Darmstadt, 2007.
KHSchneider - 25. Feb, 14:25