Mittwoch, 6. Mai 2009

viele kleine Kölns

Bei all der Verunsicherung, die das Kölner Ereignis, also der Zusammenbruch des Stadtarchivs, verursacht hat, sollte nicht vergessen werden, dass täglich Archivalien verloren gehen, speziell in einem Bereich, der eigentlich besonders der Tradition verhaftet zu sein scheint, den Dörfern. Wenn es einigermaßen gut gegangen ist, sind die entsprechenden Akten in größeren staatlichen oder kommunalen Archiven aufbewahrt, ansonsten gibt es vielleicht sogar kleine Dorfarchive, aber eine systematische Erfassung und Betreuung der Akten fehlt. Die Geschichte des "einfachen Volkes", der "kleinen Leute" scheint bei bei der archivalischen Überlieferung nicht an erster Stelle zu stehen und in den Dörfern selbst gibt es kaum ein Bewußtsein von der Bedeutung dieser Überlieferung.

Donnerstag, 30. April 2009

auch meine Meinung

Klaus Graf in archivalia zur Beständigkeit von analogen und digitalen Informationen. Hinzufügen wäre noch, dass auch ein Archiv eine komplexe Institution ist, die nicht eben mal so und praktisch kostenlos arbeitet; ob nun dort neben den Akten auch Server stehen und regelmäßig betreut werden, macht keinen entscheidenden Unterschied mehr aus.

Geschichtstheorie

Eine Veranstaltung, an der ich eher als Gast teilnehmen durfte, zeigte mir gestern, wie problematisch Begriffe wie "Geschichtstheorie" sind, wenn es in der Praxis nur darum geht, die neuesten Veröffentlichungen zu lesen, ohne Kontextualisierung und Problematisierung. Deshalb hier der Hinweis auf eine Seite zur Geschichtstheorie von Stefan Haas, die dem Anfänger und der Anfängerin einen differenzierteren Zugang zum Thema bietet, leider scheint die Seite in den letzten Jahren nicht weiter entwickelt worden zu sein.
Die Seite will:

"1. eine umfassende, hypermedial organisierte Enzyklopädie theoretischen Wissens und Reflektierens der Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften mit einem Schwerpunkt bei den Geschichtswissenschaften zu entwickeln;

2. eine praxisnahe Einführung in das theoretische Reflektieren wissenschaftlichen Forschens und Arbeitens für Studierende und alle weiteren Interessierten anzubieten."

Neben einer problemorientierten Einführung in die Praxis geschichtswissenschaftlicher Arbeit bietet die Seite kurze Einführungen zu wichtigen theoretischen Grundlagen, zu wichtigen Methoden und Arbeitsfeldern.

Dienstag, 28. April 2009

Zettelkasten 3

Einige kennen mittlerweile meine Vorliebe für kleine Programme zur Verwaltung von Literatur und Ideen. Mein Favorit ist weiterhin Zotero, das schnell und leicht zu erlernen ist. Allerdings ist die Verwaltung von Zetteln bislang nur bedingt gut gelöst.
Wer deshalb eine bessere Möglichkeit zur Verwaltung von Ideen, also Exzerpten etc., sucht, und nicht so sehr auf die Erfassung von Literaturtiteln wert legt, sollte sich jetzt mal das Programm "Zettelkasten" von Daniel Lüdecke ansehen, das in der Version 3 jetzt als RC 1 vorliegt. Das Besondere ist, dass das Programm als Java-Anwendung auf allen drei wichtigen Betriebssystemen läuft. Sein Spezialität ist die Verwaltung und Verknüpfung von Ideenzetteln, wobei in der letzten Zeit auch intensiv an einer Integration von Bibtex gearbeitet wird.
Zwar gibt es zunehmend Campus-Lizenzen von Citavi (wie in Hannover) oder Bibliographix. Aber das sind Schwergewichte, die außerdem Windows voraus setzen. Zettelkasten ist da nicht nur kleiner, sondern auch in manchen Punkten intuitiver zu bedienen.

Mittelalter? Nein danke!

Eine der am meisten mißverstandenen Epochen dürfte das Mittelalter sein, eigentlich ist, so offenbar eine landläufige Meinung, alles was alt ist, Mittelalter. So auch heute in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, wo auf S. 5 ein Bericht über eine Forschungsarbeit von Peter Welke über das Oberharzer Wasserregal zu finden ist. Das System wird in dem Artikel zunächst als "spätmittelalterlich" beschrieben, dann heißt es, es sei zwischen 1536 und 1866 errichtet worden. Alles klar. Nun kann man sich als Historiker darüber lustig machen - und es sein lassen. Aber solche zeitlichen Zuordnungen gibt es häufig und sie zeigen, wie wenig "unsere" Periodisierung (die ja auch nicht so unumstritten ist) in der breiteren Öffentlichkeit wirklich ankommen.

Montag, 27. April 2009

Warnung vor zu hohen Erwartungen

Entgegen so manchen kritischen Kommentaren zu den zivilisatorischen und kulturellen Verlusten der neuen Studiengänge einerseits und den hehren Forderungen nach einer qualitativ anspruchsvollen Lehre bewegt sich der Alltag der Universität irgendwo dazwischen. Das sehen offenbar amerikanische Wissenschaftler besser als deutsche, wie ein Beitrag von Jürgen Kaube in der FAZ vom 4.4. zeigt. In einem Punkt muss dem Artikel aber widersprochen werden: in Deutschland bringen auch Bachelor-Studierende Geld in die Kassen, zumindest in den Bundesländern, die Studienbeiträge erheben.

Freitag, 24. April 2009

Früher war doch nicht alles besser

Eine erfreulich differenzierte Bilanz der neuen Studiengänge und der früheren liefert Heinz-Elmar Tenorth in der aktuellen ZEIT. Es ist in der Tat verblüffend, wie sehr die alten Studiengänge idealisiert und dabei u.a. die teilweise extrem langen Studienzeiten vergessen werden.

Montag, 20. April 2009

Eyeplorer

Ein faszinierendes, wenngleich derzeit nur mit Daten der Wikipedia arbeitendes Projekt ist der Eyeplorer, der Zusammenhänge von Begriffen sehr schnell darstellt. Ein Test mit dem Begriff "Schlacht bei Minden" überzeugt jedenfalls.

Samstag, 18. April 2009

Tolerantia

Blogs bieten eine Fülle von technischen Möglichkeiten, die teilweise eine eigene Website ersetzen. Das Beispiel der Zeitschrift Tolerantia könnte hier eine Anregung bieten. Danke an Klaus Graf für den Hinweis.


Freitag, 10. April 2009

Lernen aus der Geschichte?

Lernen aus der Geschichte? Wieder mal.

 

Vor einiger Zeit habe ich hier über das Dilemma der Autoindustrie geschrieben. Daniel Goeudevert hat jetzt in einem Interview auf ähnliche Aspekte verwiesen. Die Autoindustrie hat jahrelang wichtige Entwicklungen schlicht verschlafen oder ignoriert. Aber was das Interview in meinen Augen so interessant macht, ist etwas anderes: Er fordert, dass bei den Antrieben mehr Vielfalt herrschen müsse. Diese Bemerkung ist deshalb interessant, weil sie auf einen Aspekt verweist, der bei der Diskussion um ein Lernen aus der Geschichte  wichtig ist. Dazu ist es notwendig, sich überhaupt zu fragen, zu welchen Fragen wir Antworten aus der Geschichte haben können. Sind es eher aktuelle Aspekte oder strukturelle Dinge? Im Augenblick wende ich mich wieder stärker der Dorfgeschichte und der Dorfplanung zu und auch dort wird die Frage verstärkt gestellt. Betrachtet man dörflich-ländliche Entwicklungen in den letzten Jahrhunderten, so fällt auf, dass wir in den letzten 200 und speziell den letzten 60 Jahren ein menschheitsgeschichtlich einmaliges Experiment erleben. Galt bis um 1800 eine dauernde Knappheit der Ressourcen, so hat sich dieser aus unserer Vorstellungswelt nach und nach verabschiedet (womit mit "wir" nicht die Menschheit, sondern die westliche Zivilsation gemeint ist). Speziell der Überfluss an Energie hat unsere Erfahrung nachhaltig geprägt und diese Prägung ist auch nicht schnell abbaubar. Etwas anderes kommt hinzu: Die Menschen der Vormoderne waren zwar keineswegs so naturnah, wie es zuweilen angenommen wird, aber die Knappheit und Unsicherheit der Ressourcen machte sie zumindest sehr vorsichtig und ließ sie vor allem riskante Unternehmungen eher vermeiden. Das ist gut an der Landwirtschaft zu sehen, die trotz knapper Ressourcen offenbar immer auch auf Sicherheit setzte, d.h. eher weniger Gewinne, dafür aber sichere anvisierte. Ein sich zunehmend herausbildendes Kennzeichen der Moderne ist dagegen meiner Meinung nach eine deutlich erkennbare Zunahme der Risikobereitschaft. Diese basiert nicht auf längerfristigen Erfahrungen, sondern eher auf unkalkulierten Annahmen, die sich auf kurzfristige Erfahrungen stützen. Die aktuelle Situation des Finanzsystems zeigt dies deutlich: Im Vorfeld wurden alle Kritiker, die vor einer zu riskanten Entwicklung warnten, damit zurück gewiesen, dass allein die Riskiobereitschaft dauerhaften Erfolg sicherte. Zumindest für Manager scheint das ja der Fall zu sein - bislang jedenfalls.

In einer Gesellschaft, die scheinbar immer schnellebiger wird, sollten aber, das zeigen gerade die aktuellen Krisen, längerfristige Erfahrungen auch strukturell stärker verankert sein. Sonst droht nämlich etwas auf den ersten Blick Absurdes: Diejenigen, die auf die formell auf die Kraft des Neuen setzen, vertrauen tatsächlich dem Veralteten, diejenigen, die auf die lange Dauer eher im Blick haben, könnten eher offen sein für Veränderungen und dennoch für nachhaltigere Entwicklungen.

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