Sonntag, 5. April 2009

Historische Karten . mal anders

Eben bin ich auf die "Karte des Bücherlandes" von Alphons Woelfle gestoßen und musste dabei an mein letztes Geburtstagsgeschenk denken, eine Karte des Historikerlandes, die mir ein netter Mitmensch gezeichnet hat. Eigentlich wollte ich davon hier nichts berichten, aber es ist eine ebenso nette Karte und vielleicht liefere ich mal einen Ausschnitt hier ab.

Mittwoch, 1. April 2009

Von Fehlurteilen und Märchen

Die Berliner Zeitung berichtet heute über eine neue Studie zum Oldenburger Münsterland unter dem "Von Schweinen und Menschen". Dort wird - wieder mal - eine dieser Thesen zur regionalen Entwicklung aufgetischt, die dadurch nicht besser wird, dass man sie immer wiederholt. Also: weshalb geht es dem Oldenburger Münsterland besser als anderen Regionen? 1., weil es dort soziale und wirtschaftliche Netzwerke gebe, vor allem Mehrgenerationenfamilien, weshalb mehr Frauen arbeiten könnten als anderswo. Und 2., weil dort alte Werte wie "Familie und Bodenständigkeit, Heimat und Ehrenamt" länger überlebt hätten als anderswo.
Ich raufe mir mal nicht zu 2. meine schütteren Haare, sondern bleibe sachlich. Was allen diesen vermeintlichen und sogar angeblich übertragbaren Erfolgsrezepten fehlt, ist der Blick auf den Kontext. Und der ist eine zeitlicher und ein räumlicher. Zunächst zum zeitlichen: Es hat immer erfolgreiche und erfolglose Regionen gegeben. Bei den erfolgreichen gab es jeweils einen engen Zusammenhang zwischen endogenen und exogenen Faktoren. Fielen aber letztere weg, sah es meist um erstere auch schlecht aus. Wie diese endogenen Faktoren aussahen, ist fast beliebig, es kommt auf die Kombination mit den exogenen Faktoren an. Im Schaumburger Land, das um 1900 eine erfolgreiche Region darstellte, bildete etwa die geringe Kinderzahl einen wichtigen demographischen Faktor, stand sie doch für Familien, die in einem hohen Maße an sozialem Aufstieg ihrer Kinder interessiert waren. Hohe oder geringe Kinderzahlen sagen allein überhaupt nichts aus über Erfolg oder Mißerfolg einer Region.
Ähnlich könnte man sich auch den anderen Faktoren widmen. Wichtiger erscheint mir aber, dass der räumliche Kontext vernachlässigt wird: Die Autobahn wird zwar selbst von aktuellen Forschern als ein zu geringer Faktor angesehen, aber ich habe da meine massiven Zweifel. Der Aufstieg des Oldenburger Münsterlandes begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als mit dem Bahnbau die Möglichkeit bestand, billige Futtermittel zu importieren, Schweine zu mästen und mit Gewinn an Abnehmer besonders im Ruhrgebiet zu verkaufen. Dieses Erfolgsmodell funktioniert heute sogar besser als vor 140 Jahren. Wenn die ökonomischen Rahmenbedingungen funktionieren, warum sollten dann nicht auch stabile und nur vermeintlich "traditionelle" Sozialbeziehungen sogar gestärkt werden? In dieser Perspektive sind sie dann jedoch nicht Ursache, sondern Folge, wirken aber vermutlich wiederum stabilisierend. Und dann sieht es mit der Übertragbarkeit nach dem Motto: seid schön traditionell, fruchtbar und brav, gar nicht mehr gut aus.
Der räumlich-zeitliche Kontext sagt übrigens auch, dass erfolgreiche Regionen schnell in Schwierigkeiten geraten, wenn sie sich nicht mehr auf veränderte exogene Faktoren einrichten können. Der Niedergang einer stark differenzierten und zeitweise äußerst leistungsfähigen Industrielandschaft mit enger Verbindung zur marktorientierten Landwirtschaft wie im Braunschweiger Land wäre dafür ein regionales Beispiel.
Wir brauchen endlich neue Debatten über regionale Entwicklungen und nicht mehr diese simplen Kausalitätsketten, die nur in die Irre führen.
Den Originaltext der Studie gibt es übrigens auch im Netz unter:
http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Land-mit_Aussicht/LmA_final.pdf

Nein danke, Schloss Charlottenburg!

Ein Besucher Berlins sollte sich auch das Schloss Charlottenburg ansehen. Sollte er wirklich? Unser Versuch, allerdings ohne Audio-Guide oder Führung, verlief fast schon deprimierend. 10 Euro werden dem normalen Besucher abgenommen, um nur das alte Schloss ansehen zu dürfen, für den neuen Teil werden dann noch mal 6 Euro fällig. Schon am Eingang beginnt die Konfusion. Toiletten? Ja, da hinten den Gang durch, dann links, dann rechts. Tatsächlich ist offenbar vorgesehen, dass Besucher nur am Ende ihres Rundgangs ein Bedürfnis verspüren, nicht am Anfang und dass sie auch noch Geld dafür bezahlen. "Dafür" ist eine in diesen Räumen völlig deplatziert wirkende, durch eine Milchglaswand abgetrennte Toilette, die nur auf den ersten Blick vielleicht als "schick" durchgehen könnte, nicht aber auf den zweiten. Nun ja, Fehler machen wir alle.
Doch es geht so weiter. Überall stehen gelangweilte Aufsichtspersonen, aber nirgendwo stehen Informationstafeln. Wo geht es weiter? Na hier, durch diese kleine, versteckte Tür. Wirklich beeindruckend ist aber die Besucherführung, wenn die Besucher keinen Guide, weder menschlichen noch technischen wollen. Es gibt in jedem Zimmer eine Texttafel, max. 2 Din-A-Seiten. Normale Schriftgröße (vielleicht 13 Punkt), geschrieben von einer Person, die mit dem Computer kämpfte - und verlor, weshalb sie offenbar zu Tip-Ex Zuflucht nahm, denn den Text zieren - neben einigen Schreibfehlern - diverse Schreiblücken. Die Texte sprechen jeder modernen Museumspädagogik Hohn. Sie sind einfach nur schlecht geschrieben.
Neben einem kleinen Übersichtsplan, damit der Besucher weiß, wo er ist, und dem Lückentext enthält diese Seite auch eine kurze Beschreibung aller Objekte im Raum. Diese sind selbst nicht weiter beschriftet. Offenbar war man außerdem der Meinung, dass diese Anordnung (keine Beschriftung oder Nummerierung der Objekte, die auf einer Meter entfernt stehenden Tafel kurz erläutert werden) den Besucher unterfordert, deshalb hat man noch einen drauf gesetzt. Die Schrifttafeln stehen so, dass man sie mit dem Rücken zum Zimmer lesen muss. Also: Gemälde suchen, zum Fenster laufen, die Aussicht genießen, überlegen, was man gerade gesehen hat, mögliche Beschreibung finden, lesen, das Objekt ggf. noch einmal ansehen. Perfekt!
Die Website verspricht eine "faszinierende Zeitreise". Das stimmt, es ist eine faszinierende Reise in eine überholte Museums- und Ausstellungsdidaktik.



Freitag, 27. März 2009

Armes Berlin

Berlin bietet eine Reihe von attraktiven Internetangebote. Eines der besten ist das der Luise Berlin, des Luisenstädtischen Bildungsvereins - gewesen, wie sich schnell zeigt, wenn man auf der Startseite einen Link anklickt. Armes Berlin.

Mittwoch, 25. März 2009

Ach Guido

"Kein Mensch", so in der FAZ vom 28.11. letzten Jahres, habe etwas von der Schlacht bei Minden gehört. Gut, die englischsprachige Welt, die dies Jahr 2009 intensiv auch wegen der Schlacht bei Minden feiern wird, vergessen wir mal und erfreuen uns an unserer preußisch-deutschen Vergangenheit, dann stimmt es.
Kein Mensch weiß übrigens, wo die Varus-Schlacht statt gefunden hat, und dennoch wird sie gefeiert.

Vorlesungen im Netz

Es gibt immer noch starke Vorbehalte gegen Vorlesungen im Netz - zumindest bei einigen Kollegen hier in Hannover, dabei bietet dieses Medium viele Möglichkeiten, wie ein Artikel in der ZEIT gerade wieder belegt. So ganz podcastfrei ist aber auch das Historische Seminar nicht wie Lernwerkstatt Geschichte zeigt. Außerdem liegen erste Videoaufzeichnungen zur Einführung in das Geschichtsstudium vor.

Samstag, 21. März 2009

Why Study History

... wird in einem neuen Blog der "Historical Society" gefragt. Die erste Antwort stammt von Heather Cox Richardson.

Samstag, 21. März 2009

Auch ich bin ein Raubleser

In Buchhandlungen mache ich mir gern von Büchern, die auf die Leseliste sollen, mit dem Handy Fotos. Dabei frage ich mich immer, wann ich das erste Mal von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter daran gehindert werde. Wer dies für eine kindische Vorsicht hält, wird von Eric Steinhauer eines anderen belehrt. Ihm ist genau dieses Fotografieren verboten worden. Aber offenbar handelt es sich nur um eine Ausnahme.

Freitag, 20. März 2009

Gründerfieber?

Ich sitze gerade in einer Veranstaltung von www.startingbusiness.uni-hannover.de, auf der über neue Strategien unserer Fakultät zur späteren Selbständigkeit diskutiert wird.

Freitag, 13. März 2009

Copy & Share

Jan Hodel hat sich dankenswerter Weise erneut dem Thema des Kopierens angenommen. Mir erscheint zweierlei wichtig: Erstens, wir erleben gerade einen Kulturbruch in der Wissensaneignung und Vermittlung und zweites: Geisteswissenschaftler sind gut beraten, wenn sie sich diesem Kulturbruch stellen, d.h. sich aktiv mit ihm auseinander setzen. Und was sich auch immer wieder heraus stellt: Wir brauchen Lehrer, an den Schulen und den Hochschulen, die das Problem nicht durch Ausblenden lösen wollen, sondern durch aktives Lehren. Nach wie vor kommen bei uns an der Hochschule fast nur Studierende an, die in ihrer Schulzeit praktisch keine Medienkompetenz erworben haben. Das Anschaffen neuer Rechner, wie es gerade wieder gefordert ist, löst die eigentlichen Probleme des Verdrängens und Ignorierens jedenfalls nicht. Das setzt sich in der Hochschule fort. Das Zurückweichen vor diesen Prozessen, das reine Anklagen erscheint mir keine Lösung zu sein.

Überhaupt habe ich zuweilen den Eindruck, dass die kulturelle Aneignung des PC wesentlich komplexer und "wilder" ist, als es theoretisch sein müßte. Weshalb, um nur ein Beispiel zu nennen, arbeiten junge Studierende mit der Textverarbeitung so, als hätten sie bislang mit der Schreibmaschine Texte produziert, obwohl sie vermutlich nie eine Schreibmaschine benutzt haben?

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