Die Macht des Misstrauens

In einem Artikel der heutigen FAZ schreibt Gesine Schwan über die Politik Merkels und deren "zerstörerische Macht des Misstrauens". Seltsam, ich muss bei dabei sofort an die Hochschule denken, zumindest "meine". Seit 12 Jahren bin ich in Gremien, vor allem Studienkommissionen, fast sieben Jahre davon habe ich selbst eine geleitet. Drei Jahre war ich Studiendekan, seit fast zwei Jahren bin ich Leiter des Zentrums für Lehrerbildung. Insbesondere in den letzten Jahren beobachte ich zunehmend das, was Gesine Schwan für die Bundespolitik beschreibt: Die universitären Gremien als Orte demokratische Meinungsbildungsprozesse sind nicht nur über Hochschulgesetze entwertet worden, sie werden auch teilweise von der Hochschulleitung argwöhnisch beäugt, als Hindernisse wahrgenommen, denen mit Mißtrauen zu begegnen ist. Dass diesem Mißtrauen der einen Seite eine Mißtrauen der anderen entspricht, überrascht da nicht.

Woher kommt dies Mißtrauen eigentlich? Hochschule ist nie ein konfliktfreier Ort gewesen, aber Gremien boten zumindest die Chance, Positionen zu verdeutlichen, Auseinandersetzungen öffentlich zu führen, nach Kompromissen zu suchen und Entscheidungen zu legitimieren. Spätestenes mit dem Bologna-Prozess änderten sich dies. Bologna war und ist ein von oben verordneter Prozess gewesen, bei dem, so weit ich es sehe, die eigentlichen Akteure der Hochschule kaum eine Entscheidungsfreiheit hatten, sondern an den Rand gedrängt wurden. Bürokratische Strukturen übernahmen immer mehr die Kontrolle. Damit zog ein neues Denken in die Universität ein, gegen das wir uns immer noch zu wenig wehren. Zu diesem Denken gehört auch ein Mißtrauen gegen Gremien, d.h. auch gegen demokratische Entscheidungsprozesse.

Darüber könnte man noch sehr lang schreiben, aber das ist hier vielleicht nicht der richtige Ort.  

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