Sonntag, 29. September 2013

Meine Dörfer

Bei der Vorbereitung meiner letzten Vorlesung über Dorf und Region habe ich angefangen, meine sehr persönlichen Eindrücke und Erfahrungen über die Dörfer aufzuschreiben, in denen ich gearbeitet und teilweise auch gelebt habe. Nach einigem Überlegen habe ich diese Erfahrungen - mit meist knappen Literaturangaben versehen - in einem kleinen Weblog begonnen zu veröffentlichen. Es werden noch ein paar Dörfer dazu kommen. Hier findet man die Einträge:

http://meinedoerfer.blogspot.de/

Samstag, 21. September 2013

Lernen

Bislang war ich immer sehr skeptisch, was das "Lernen aus der Geschichte" angeht. Mittlerweile bin ich da vorsichtiger. Nicht, dass es ein einfaches Lernen aus der Geschichte gäbe, aber es wäre vielleicht doch sinnvoller, wenn bei strukturellen Entscheidungen in diesem Land kompetente Historiker beteiligt würden. Das aktuelle Desaster um den Jade-Weser-Port ist für mich da ein gutes Beispiel. Mit einem immensen Aufwand wurde ein Tiefwasserhafen in Konkurrenz zu Bremerhaven und Hamburg aufgebaut. Dagegen wäre ja nichts einzuwenden. Nur: Wilhelmshaven bietet eine lange Geschichte der nicht nutzbaren Chancen. Oder anders formuliert: Das Projekt, aus einem Nur-Kriegshafen einen erfolgreichen und konkurrenzfähigen Tiefwasserhafen zu machen, ist nicht neu, sondern hat eine lange Vorgeschichte. Zunächst wurde direkt nach 1945 der Hafen samt der Werft systematisch zerstört. Danach versuchte man es mit neuen zivilen und nicht-maritimen Produkten, ab Mitte der 1950er Jahre wurde nicht nur Marine hier stationiert, sondern später sollte der vorhandene Tiefwasserhafen als Standortvorteil genutzt werden, doch die interne Konkurrenz, siehe oben, war immer stärker. Lange Strukturen können offenkundig nicht kurzfristig verändert werden. Dazu gehört auch die strukturell schlechte Anbindung an das "Hinterland" - ebenfalls ein keineswegs neues Problem. 

Angesichts dieser Vorgeschichte erscheint es zumindest von außen als ein reichliches waghalsiges Manöver, was da versucht wurde. Der tiefe Hafen allein reicht nicht und wird auch nicht reichen. Warum, frage ich mich, wurden diese strukturellen Probleme nicht erst gelöst, ehe ein teurer Hafen gebaut wurde?

Zur aktuellen Situation: http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Wenig-Betrieb-JadeWeserPort-spuelt-kein-Geld-in-die-Kasse

Donnerstag, 19. September 2013

Bibliographix 10

Zu den Windows-Zeiten habe ich gern mit Bibliographix gearbeitet. Das war vor ein paar Jahren ein Programm, das in damals fast einzigartiger Weise Literatur- und Zettelverwaltung vereinte und dem damals inzwischen sehr verbreiteten Citavi überlegen war. Dann wechselte ich zum Mac und dann war die gute Zeit mit Bibliographix vorbei. Citavi lockte noch mit einer baldigen Mac-Version, stellte dann aber die Arbeiten daran ein. Ich wechselte damals zu Zotero und habe das auch nicht bereut. Mittlerweile wurde Bibliographix nicht nur weiter entwickelt und kostenlos angeboten, sondern seit neuestem - ich bin gerade erst darauf gestoßen - gibt es Bx in einer völlig neuen Version, die auch auf dem Mac läuft und demnächst auch unter Linux zur Verfügung stehen soll. Wer noch die alten Windows-Dateien von Bx 9 hat, kann diese unter Windows konvertieren und mit dem neuen Programm weiter nutzen - auch in der Cloud. Das Programm ist sehr klein und schnell, besteht nun aus insgesamt vier Teilprogrammen. Importmöglichkeiten aus Katalogen sind begrenzt auf den GBV. Mehr kann ich noch nicht sagen, aber ein ausführlichere Beschäftigung mit dem Programm ist sicher sinnvoll. Es wird von einer Person, er bietet um eine Spende. Hier finden sich weitere Infos: http://bibliographix.de/.

Mittwoch, 11. September 2013

Ein Apartment in Berlin

Beitrag zu einem irritierenden, vielschichtigen Film, besonders die Passagen ab Stunde 1: http://www.scilogs.de/chrono/blog/un-zugeh-ouml-rig/holocaust/2013-09-09/reflexionen-zu-ein-apartment-in-berlin

Sonntag, 8. September 2013

Wichtiges Plädoyer für offene Publikationsformen, auch für Abschlußarbeiten

Ein Vortrag von Klaus Graf, in dem er auch die Publikation für Abschlußarbeiten (aber nicht nur die plädiert), außerdem ein Verweis auf Österreich, wo das schon geschieht: http://archiv.twoday.net/stories/472713645/ Passt gut zu #digigw2013

Donnerstag, 5. September 2013

Entschleunigen

Letzte Woche haben wir in Hösseringen wieder eine Projektwoche durchgeführt (Sommeruni genannt), auf der wir Zeugnisse zum Ersten Weltkrieg ausgewertet haben, jetzt denken wir über eine Präsentation der Ergebnisse nach, wobei derzeit in Richtung eines Blogs denken, aber nach den Erfahrungen der letzten Tage könnte ich mir auch eine Lösung via Twitter vorstellen. Ein Aspekt bei der Leküre von Zeugnissen wie Feldpostbriefen ist die Perspektiven der Schreiber und der Leser. Vor welchem Hintergrund haben sie die Texte geschrieben, welche Erwartungen waren damit verbunden, was wollte man schreiben, was durfte man und was auf keinen Fall. Gestern bin ich dann durch Zufall auf einen Satz wie diesen gestoßen:

"Der Anliegen, Geschichte zu entschleunigen, setzt sich zum Ziel die essentielle Unbestimmtheit von Geschichte deutlich werden zu lassen."

Dieser Satz findet sich hier: http://info.umkc.edu/dfam/projekt/entschleunigen/

Er bezieht sich auf ein Projekt, das genau diesen Ansatz verfolgt und den heutigen Leser wie die vergangenen Autoren im Unklaren darüber läßt, wie die Geschichte ausgeht.

Ideen

Die gestrige Tagung in Braunschweig zu digitalen Geschichtswissenschaft hat schon jetzt eine erfreuliche Wirkung gezeigt. Dazu zwei Anmerkungen. auch als Antwort zu:

http://blog.stummkonzert.de/2013/09/fazit-zur-digigw2013/

Zum einen zur Nachhaltigkeit. Hier sehe ich besonders mit Blick auf frühere, innovative Projekte von Jenks, Imhof oder den Kölner Wirtschaftshistorikern vor allem die Hochschulen in der Pflicht. Die schalten nämlich gern Server von Kollegen ab, die entweder die Hochschule verlassen haben oder in den Ruhestand gegangen sind. Wenn es gut läuft, sind noch ein paar Reste zu finden, zuweilen sind aber alle Daten weg oder zumindest gibt es die Links nicht mehr. Mein, zugegeben, sehr subjektiver Eindruck ist, dass die Hochschulen sich zu wenig um die Sicherung und dauerhafte Verfügbarkeit ihrer digitalen Daten Gedanken machen. Ich versuche derzeit daraus den Schluß zu ziehen, dass meine Daten einer anderen Institution übergeben werden, um zu erreichen, dass sie auch nach 2019 (dann endet meine Dienstzeit) noch verfügbar sind.

Die drei Beispiele zeigen aber auch, dass vieles möglich ist, wenn man einfach nur anfängt. Die Kölner haben ein beeindruckendes Angebot an digitalisierten Texten online gestellt - ohne Fördermittel, nur mit einem eigenen Scanner ausgestattet, sogar ganz allein. Warum soll das nicht mehr möglich sein? Also vielleicht einfach nur anfangen? Und warum nicht zunächst etwas kleiner? Darauf ließe sich aufbauen. Blogs sind schnell eingerichtet, ein Wiki ebenfalls. Wenn es nicht sofort öffentlich sein soll, gäbe es Google Docs und Co.

Mein Vorschlag oder besser meine Frage wäre deshalb: Gibt es nicht Themen, die mehrere Kolleginnen/Kollegen gemeinsam bearbeiten können, indem sie sammeln, bereitstellen, gemeinsam ein Thema weiter entwickeln? Um es nicht zu theoretisch werden zu lassen, hier ein paar Vorschläge.
Ich arbeite gerade in drei kleinen, regionalen Projekten über den Ersten Weltkrieg. Neben der Erfassung von Daten zu den Toten spielt die Zeitungsauswertung gerade für den Juli 1914 eine größere Rolle, dann aber auch andere Überlieferungen wie Feldpostbriefe. Hier könnte ich mir in der einen oder anderen Form ein gemeinsames Projekt vorstellen. Gerade regionale Projekte könnten durch den Austausch und damit den Vergleich profitieren. Es sind übrigens alles studentische Projekte, forschendes Lernen und projektorientiertes Arbeiten sind dabei immer implementiert.

Ein zweites Thema: Wir haben - zugegeben, etwas einfach - vor Jahren für unsere Studienanfänger in der Lernwerkstatt Geschichte ein virtuelles Tutorium begonnen. Derzeit planen wir, es zu überarbeiten, weil es einfach nicht mehr Stand der Dinge ist. Es gibt eine Reihe anderer, optisch und inhaltlich durchaus interessanterer Projekte. Aber wie wäre es, wenn mehrere sich mit der Frage beschäftigen, wie im Netz eine sinnvolle, nutzbare und entwicklungsoffene Einführung in das digitale Geschichtsstudium aussehen könnte. Die Ergebnisse könnten entweder zentral oder auch dezentral (und dann ggf. mit Varianten) anschließend im Netz publiziert werden. Literatur gibt es dazu genug, aber offenkundig reichen die bekannten Einführungen nicht aus, um Studierende und Lehrende zu einem offeneren Umgang mit dem Netz und dem Digitalen zu bewegen.

Es ist ja nicht so, dass bislang nichts geschehen ist (und der Eindruck, der in Braunschweig vermittelt wurde, hat mich zunächst so frustriert). Aber es gibt offenbar auch das Interesse an einer neuen Bewegung, wobei mir das kollaborative Arbeiten über das Netz besonders ertragreich zu sein scheint. Die obigen Überlegungen können vielleicht dazu als Anregung dienen.

Ach ja, hier noch die Links:

Zum Kölner Digitalisierungsprojekt und den aktuellen Problemen: http://archiv.twoday.net/stories/434207191/
Das angesprochene virtuelle Tutorium findet sich unter: http://www.lwg.uni-hannover.de/wiki/Das_virtuelle_Tutorium

Mittwoch, 4. September 2013

Freiheit

Die gestrige Sitzung in Braunschweig hat mich nachdenklich werden lassen. Meine Frage war, was bedeutet das Netz, bzw. die digitale Weltfür mich?

Nun, zu allererst Freiheit! Freiheit von den Grenzen der analogen Welt. Digitales bedeutet Entgrenzung. Nicht mehr abhängig zu sein von den begrenzten Beständen einer einzelnen Bibliothek, von der realen Existenz des einen Buches, von der Begrenzung nur auf Texte. Von der mühseligen Arbeit mit Lernenden mal ganz zu schweigen. Gerade bei letzteren haben sich für flexible Lehrformen ganz neue Möglichkeiten aufgetan. Als wir vor ca. 10 Jahren mit Stud.Ip begannen, war ich sofort dabei, ein Wiki (unsere Lernwerkstatt Geschichte) löste das Problem der statischen Seiten. Digitale Fotos bieten erstens bessere Qualität als Fotokopien, sind schnell erstellt und ausgetauscht und dabei optimal für projektorientierte Quellenarbeit (gerade letzte Woche wieder gemacht). Blogs schaffen Raum für "kleine Texte". Diese Reihe ließe sich fortführen.

Als ich das erste iPad in der Hand hatte (vorher hatte ich es für überflüssig gehalten) konnte ich einen Quellentext wie in einem Buch mit mir mitführen und damit Gruppenarbeit von Studierenden besser begleiten. Das erste iPad hatte noch keine Kamera, mein iPad mini ist ein perfekter Kompromiss aus den verschiedenen Anforderungen. Dank Evernote kann ich meine Notizen immer mitnehmen … usw.

Historische Bilder können wir systematisch erfassen und diskutieren, Filme nicht nur sehen, sondern auch erstellen (gerade produzieren wir Kurzfilme über Hannover am Vorabend des Ersten Weltkriegs).

Dank Google Docs können wir kollaborativ arbeiten. Und das tollste: All das ist extrem kostengünstig zu nutzen, die Infrastruktur stellen andere bereit (wie die Uni für Stud.Ip oder Google). Und wenn ich bezahle, wie bei Evernote oder der Dropbox, dann ist das sehr wenig Geld.

Das Digitale ist also kein Selbstzweck, sondern für mich erleichtert es insbesondere die flexible Lehre. Es bietet ganz neue Möglichkeiten und Perspektiven. Es gibt uns die Freiheit, Vergangenheit neu zu entdecken, neue Fragen zu stellen und die Dinge auf neue Art zu vermitteln. Ob wir analog oder digital arbeiten, ist damit nicht zu wichtig, wir entschieden danach, welche Variante am besten zum Ziel führt, wir arbeiten also "dialog", vermischen Analoges und Digitales.
Das ist die Freiheit, die ich meine.

Dienstag, 3. September 2013

Digitale Geschichtswissenschaft

AG Digitale Geschichtswissenschaft

Heute fand in Braunschweig eine vielbeachtete Tagung der AG Digitale Geschichtswissenschaft im Deutschen Historikerverband statt - und ich bin nach einer Stunde enttäuscht gegangen. Vielleicht war das ein Fehler, aber das Interessante der ersten Stunde waren ohnehin nicht die "analogen" Elemente der Tagung, sondern die digitalen, sprich die Twitterkommentare (#digigw2103). Auf der Rückfahrt habe ich nicht nur weiter bei Twitter reingesehen, sondern auch überlegt, was mich so irritiert hat. Ich möchte das hier kurz zusammen fassen:

Zunächst und zuallererst hat mich die Tatsache verstört, als sei das Digitale noch immer etwas Neues. Vor 15 Jahren hätte ich das noch verstanden, aber nicht mehr heute. Wir sind längst alle in einer digitalen (ich habe hier mal von der dialogen Welt geschrieben) Welt angekommen, ob uns das nun passt oder nicht. Einige tun allerdings immer noch so, als gelte das nur in eingeschränktem Maße für sie. So konstruieren sie sich weiter eine analoge Welt. Dass die Bücher, auf die sich so gern bezogen wird, längst nur noch in Teilen analog sind, wird dabei gern vergessen. Von der Emailkorrespondenz, vom Nachschlagen in Wikipedia oder bei HSozKult ganz zu schweigen.

Daraus ergibt sich die Frage, weshalb wir von digitaler Geschichtswissenschaft sprechen, wo doch Geschichtswissenschaft wie unsere gesamte Wissensgesellschaft längst auf digitalen Beinen steht. Das Problem ist eher der Grad des Digitalen.

Damit hängt mein zweites Problem zusammen: Wenn letztlich alles digital ist, müssten wir stärker differenzieren zwischen unterschiedlichen, sagen wir mal, Nutzungsszenarien. Mir fällt da eine grobe Zweiteilung ein:

Zum einen die alltägliche Nutzung etwa über das Bloggen, das Arbeiten mit Studierenden über das Wiki in Stud.Ip oder über Moodle, das Bearbeiten von Wikipedia-Artikeln (gut, habe ich schon länger nicht mehr gemacht) oder einem anderen Wiki, wie unsere LWG. Dazu gehört für mich auch das Lesen von eBooks oder pdfs (etwa die Bücher aus digi20) und manches mehr.

Daneben ließe sich die wissenschaftliche Arbeit im engeren Sinn positionieren, also größere digitale Projekte wie ein Buch bzw. eine komplexe Website, ein digitales Forschungsprojekt. Das ist der Bereich, der am ehesten mit dem traditionellen, in wissenschaftlichen Verlagen publizierten Büchern verglichen werden kann und bei dem sich das Problem der Qualitätssicherung am ehesten stellt.

Davon abgrenzen würde ich die großen Digitalisierungsprojekte der Archive und Bibliotheken. Das ist im Kern keine Aufgabe von Historikern und sollte m.E. hier nicht weiter diskutiert werden, auch wenn die Ergebnisse der Digitalisierung für Historiker von größter Bedeutung sind.

Was mich weiter wundert, ist die Haltung vieler Diskutanten, die eher in die Richtung geht: Ach, muss man das denn auf so neue Art machen, es ging doch auch anders (analog) ebenso gut. Oder: Ja, aber da ist doch die "Maschine" einfach zu präsent, wir dürfen den menschlichen Faktor nicht vernachlässigen. Was mir fehlt, ist eine Haltung, die etwa so formuliert: Es gibt da ein Problem, eine Frage, eine Herausforderung, die wir bislang nicht  lösen konnten. Lasst uns doch mal sehen, ob wir das nicht mit Hilfe digitaler Möglichkeiten hinkriegen können. (Und das ist vorsichtig formuliert.)

Für mich sind immer noch die Genealogen vorbildlich. Sie brauchen viele Daten, um Lebenswege und Biographien verfolgen zu können. Diese Daten kann ein Einzelner oder eine kleine Gruppe nie zusammen stellen, aber viele, miteinander verknüpft Arbeitende können das dann doch. Etwa mehrere Millionen Datensätze von Soldaten des Ersten Weltkriegs erfassen, damit sie anschließend von anderen ausgewertet werden können. Warum kriegen wir Wissenschaftler das nicht hin? Ansätze gab es vor langer Zeit, als Stuart Jenks das Zeitschriftenfreihandmagazin mit vielen anderen Kollegen erstellte. Aus heutiger Sicht ist davon das Ergebnis veraltet, hier haben die Bibliotheken "ganze Arbeit" geleistet und es ist ein damals wohl kaum vorstellbarer Fortschritt gelungen. Die Methode aber ist, falls ich das richtig sehe, nicht fortgeführt worden. Die Methode besteht für mich darin, die uns an mehreren Stellen zur Verfügung gestellte Infrastruktur des Netzes zu nutzen und sie zu verknüpfen mit einem geringen Zeitaufwand. Wenn das genug Leute machen, kann etwas gelingen, was bis dahin nicht möglich war.

Ein Beispiel: Wir erfassen auf Anregung von Christoph Rass (der das in noch größerem Stil in Osnabrück macht) gerade Gefallenenlisten des Ersten Weltkriegs. Diese Daten sollen anschließend nach sehr unterschiedlichen Aspekten ausgewertet werden, etwa wo und wann die Soldaten gefallen sind, ob sie Ehefrauen hinterließen u.a.m. Ganz nebenbei führt uns die Auswertung dieser Daten auch zu einem neuen, differenzierten Verständnis des Krieges. Bei der Arbeit sind wir auch auf Orts- und Kirchenchroniken gestoßen. Vermutlich wird es in den nächsten Jahren weitere lokale Projekte geben, weil eine kleine Arbeitsgruppe (bei uns sind Studierende eines Projektseminars) nur ein begrenzte Anzahl von Daten erfassen können. Bei einem kollaborativen Projekt mehrerer Hochschulen würde sich die Datenbasis und würden sich die Perspektiven auf das Thema erheblich erweitern. Im Augenblick versuchen wir auf regionaler Ebene zu einer engeren Kooperation mit Laienforschern zu kommen ("Wissenschaft trifft Laienforschung" oder anders: Cizizen Science).

Das Faszinierende aus wissenschaftlicher Sicht besteht für mich darin, dass wir durch - kostengünstige! - Kooperation Zusammenhänge herstellen und vermitteln können, die mit den bisherigen Methoden überhaupt nicht denkbar waren.

Das geht aber in eine andere Richtung, in die freiwilliger Kooperation, gegen eine teure Drittmittelpolitik, gegen Institutionalisierung. Das soll sich nicht gegen gute und aufwendige Drittmittelforschung richten, aber Digital Humanities können m.E. in einem bestimmten Rahmen auch gut ohne Drittmittel auskommen.

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