Dienstag, 18. Dezember 2012

Wikipedia

Ach, man kann so viel über die Wikipedia schreiben. Was mir aber auffällt, gerade bei Prüfungen oder Seminaren: Leute, seht doch bitte auch in der Wikipedia rein und nutzt sie für die erste Recherche oder eine begleitende Recherche. Auch, wenn es manche nicht gern hören wollen, so bieten doch viele Artikel viel mehr Informationen zu einem Thema als manche wissenschaftliche Einführung. Gerade dann, wenn es um das Verständnis von Details geht, die in wissenschaftlichen Abhandlungen oft voraus gesetzt werden.

Samstag, 8. Dezember 2012

So isses

Habe auch lange überlegt, warum ich kaum noch blogge. Jan Hodel hat dazu etwas geschrieben, was bei mir ziemlich genau auch so passt: http://weblog.hist.net/archives/6540. Ansonsten rede ich lieber mit meinen Studenten, Doktoranden oder Kollegen. Auch über das Bloggen ;-)

Dienstag, 13. November 2012

Sozialistische Front

Seit gestern online: die neue Website über die Sozialistische Front in Hannover, realisiert von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, in enger Kooperation mit hannoverschen Wissenschaftlern erstellt.

Dienstag, 6. November 2012

Der Verlust des Erbes

Zugegeben, ich bin ein Anhänger des Digitalen. Aber das heißt nicht, die alten Medien in Frage zu stellen. Es gibt keinen Gegensatz zwischen Digitalem und Analogem, zwischen Altem und Neuem. Es geht um die Sicherung der Überlieferung. Und die ist gefährdet, jeden Tag. Zur Rettung versuchen wir es immer wieder mit kleinen oder größeren Digitalisierungsprojekten. Nicht, um danach etwas zu vernichten (wie mir in den 90er Jahren tatsächlich mal vorgeworfen wurde), sondern um eine Kopie zu haben, falls die Originale vernichtet sind (dass man mit Digitalisaten auch besser arbeiten und gleichzeitig die Originale schützen kann, kommt hinzu).

Es ist vermutlich kein Einzelfall, aber dennoch skandalös, was derzeit in Stralsund geschieht und auf Archivalia sorgfältig dokumentiert wird. Siehe zuletzt: http://archiv.twoday.net/stories/197336228/

Wider besseren Wissens?

Hannover und sein Maschsee sind eine spannende Geschichte. Dieser schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts geplante See in der Leinemasch wurde nach intensivierten Planungen in den 1920er Jahren erst in der NS-Zeit begonnen und fertiggestellt. Die besondere "Tücke" besteht darin, dass der See von Figurengruppen flankiert wird, die auf den ersten Blick eine erstaunliche Nähe zur NS-Plastik aufweist. Allerdings ist seit langem umstritten, ob hier tatsächlich jemand die rechte Hand zum "Hitlergruß;" hebt oder etwa zum olympischen Gruß; (der See wurde 1936 eingeweiht). Die Stadt Hannover hat dazu eine eindeutige Position entwickelt, die sich auch auf ihrer Website findet. So heißt es in einer dort zu findenden Broschüre: "Am See wurden nur Skulpturen nackter Körper aufgestellt. Mit ihrer übernatürlichen Größe erfüllten sie das Ideal der Monumentalität in der NS-Kunst. Die heroische Figur sollte die angebliche Überlegenheit des 'arischen Herrenvolks' demonstrieren."

In ihrer heutigen Ausgabe berichtet nun die HAZ über neuere, sogfältige Forschungsergebnisse des Georg-Kolbe-Museums in Berlin zu diesen Figuren, die zu einem eindeutigen Ergebnis kommt. Zitiert wird die Direktorin Ursel Berger: "Wir haben keine Nazi-Verstrickungen der Bildhauer finden können."
Die Situation war wesentlich komplexer als es die platten Formulierungen in der städtischen Broschüre vermuten lassen. Die in der Öffentlichkeit so gern vorgenommene eindeutige Zuordnung bestimmter Stile zum Nationalsozialismus ist eben nicht mö;glich.

Leider ist der Artikel nicht online verfügbar, eine Publikation ist vorgesehen, Die Ausstellung "Fackelträger, Fisch und Menschenpaar - Die Skulpturen vom Maschsee in Hannover" läuft bis zum 30.3.2013 in Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25 in Berlin. Vielleicht kommt sie anschließend nach Hannover. Die Broschüre der Stadt habe ich gefunden unter: http://www.hannover.de/content/download/367277/7052704/version/1/file/grfl_flyer_skulpturen_web.pdf.

Freitag, 5. Oktober 2012

Das Dorf und die Bewegung

Die Frage, was überhaupt ein Dorf ausmacht, ist eine, die mich seit Jahren bewegt und beschäftigt. In den letzten Jahren stellt sie sich erneut für mich verstärkt. Zum einen deshalb, weil ich für einen früheren Wohnort an einer Ortsgeschichte mitschreibe und im Prozess des Recherchierens und Schreibens dieses Dorf (bzw. dieser beiden Dörfer) erneut entdecke. Dabei stoße ich immer wieder auf die Tatsache, dass nur ein Teil der Menschen im Dorf dort auch geboren worden ist und sein Leben nur dort verbracht haben. Allerdings handelt es sich um Arbeiterdörfer, für die vielleicht andere Regeln gelten als für das, was die meisten unter einem richtigen "Dorf" verstehen. Also eines mit Bauern.

Bei der Recherche für Krainhagen - so heißt eines der beiden Dörfer - habe ich zunehmend auch das Netz genutzt. Wichtige Datenbanken, die Auskünfte über Lebensläufe geben können, finden sich dort, etwa zur Auswanderergeschichte oder - was mich in der letzten Zeit beschäftigt hat - der Geschichte der beiden Weltkriege. Das Netz bietet plötzlich gänzlich neue Möglichkeiten der Mikrogeschichte: wir können, zumindest in Ansätzen, den Menschen auf ihren Wegen folgen, sind also nicht mehr an die ortsgebundenen Quellen der einzelnen Archive gebunden, deren Akten vorwiegend den Ort und die dort lebenden Menschen im Fokus haben.

Derzeit lese ich erneut die Geschichte des Knechts und Tagelöhners Franz Rehbein, dessen 1907 erschienene Lebenserinnerungen  als Einstiegslektüre für ein Seminar über Landarbeiter dienen sollen. Rehbein stammte aus einem pommerschen Dorf, sein Vater war Schneidermeister, der auf seine Ehre achtete, aber sonst mit seiner Familie ein armseliges Leben führte. Rehbein ging früh aus Pommern weg, überall sonst auf der Welt schien das Leben  mindestens genau so gut zu sein. Seine ersten Stationen waren in Schleswig-Holstein, wo er auf mehreren Gütern und Bauernhöfen als Knecht arbeitete. Das spannende an dieser Phase sind mehrere Aspekte: Zum einen arbeitete er als Knecht nur selten mehr als ein Jahr auf einem Hof. Er wanderte also über die Dörfer. Er beschreibt aber auch seine Bauern. Und auch diese waren offenkundig nicht auf ein Dorf fixiert, sondern lebten in einem über mehrere Dörfer sowie benachbarte Flecken verteilten bürgerlich-bäuerlichen Netzwerk. Wohlgemerkt, diese Geschichte spielt sich ungefähr in den späten 1880er Jahren ab. Das Dorf als solches spielt dabei keine nennenswerte Rolle. Das mag auch mit den Siedlungsgegebenheiten der Marsch zusammen hängen. Aber der Befund entspricht in vielen Punkten dem, was wir aus anderen Studien entnehmen könnten: Dörfer sind zwar keine reinen Recheneinheiten, die lediglich für die Obrigkeit relevant waren, sie waren und sind auch wichtige Siedlungs-und Sozialräume. Aus der Perspektive der einzelnen Akteure sieht es aber oft etwas anders aus.  Dann konkurriert der Sozialraum Dorf mit anderen sozialen Räumen. Unterschiede kann es bei den jeweiligen Gruppen gegeben zu haben, aber der seinen Leben lang an einem Ort verbringende Dorfbewohner stellte sicherlich nur ein von vielen Typen dar.

Dörfer waren nicht nur in Bewegung (so ein Buch von Stephan Beets), sondern die Menschen, die in Dörfern lebten, waren es und zwar in einem sehr hohen Maße. Ich habe allerdings Hemmungen, in diesem Kontext von Migration zu sprechen. Trotz der Bedeutungserweiterung, die dieser Begriff in den letzten Jahren erfahren hat (weg von der vermeintlich einmaligen Wanderung von einem Ort an einen anderen), war Bewegung mehr, nämlich ein integrativer Bestandteil der Existenz von einem vermutlich gar nicht so geringen Teil der Landbevölkerung. Bewegung heißt hier auch Bewegung im realen und im sozialen Raum. Rehbein akzeptiert zwar teilweise die Begrenzungen seiner Knechtexistenz, aber auch nur teilweise, er sucht auch den sozialen Aufstieg.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Endlich

Wer meine letzten Einträge gelesen hat, wird gesehen haben, dass sich manche Selbstdarstellungen im Netz über das Bloggen und die Nutzung anderer Elemente des Web 2.0 einfach nur nerven. Nicht, weil ich das alles für falsch oder überflüssig halte, sondern weil ich dieses Schreiben über Sachen wenig interessiert, sondern das, was ich damit machen kann. Immerhin habe ich heute bei der Durchsicht neuerer Blogs doch zwei Beiträge gefunden, die zeigen, dass es anderen ähnlich ergeht: Ladislaus in einem Kommentar bei Archivalia und Patrick Sahle in einem Kommentar vom Historikertag. Zu Sahle noch ein Hinweis: Solange wir in den Seminaren zusammen zucken, wenn Studierende einen Laptop dabei haben (" die hören mal wieder nicht zu und sehen irgendwelche Filme an"), wird sich da wenig ändern. Derzeit scheint es "schick" zu sein, sich auch mit dem Bloggen und derlei Dingen zu beschäftigen, aber in der Alltagspraxis weiterhin auf die alten Methoden zu setzen.

Sonntag, 30. September 2012

Das etwas andere Freilichtmusuem

Regionale Bauernhausmuseen haben nicht nur in der Regel mit dem Manko zu kämpfen, dass sie  zum einen Gebäude und somit eine Geschichte präsentieren, die transloziert und damit konstruiert wurde, und sich zweitens nur schlecht von einer vordergründigen oder zumindest indirekten Agrarromantik lösen können. Das erste Problem bedeutet, dass im Museum eine vermeintlich authentische Wirklichkeit gezeigt werden soll, die auf den ersten Blick auch so wirkt. Hübsch eingerichtete Wohnungen vermitteln das Gefühl, ja, so hat es damals ausgesehen. Dass hier Idealbilder vermittelt werden, wird oft nicht bewußt gemacht - und interessiert vielleicht auch niemanden. Dann ist da noch das schöne Bauernhaus, das alle Bilder vom schönen Dorfleben früher unvermeidlich propagiert - Aufklärung hin oder her.

Wenn man in Mecklenburg  unterwegs ist, dann ist die Sache schon etwas komplizierter. Zum einen gab es in den letzten 200 Jahren nur wenige Bauern in diesem Land. Mit anderen Worten: Bauernhausromantik kann sich hier schon allein deshalb nur selten einstellen. Statt dessen gibt es kleine Tagelöhner- und Landarbeiterhäuser auf der einen und große Herrenhäuser auf der anderen Seite. Dann ist Mecklenburg ehemaliges DDR-Land, wo die Bodenreform nach 1945 besonderen Sinn machte (sie wurde übrigens auch kurzfristig im Westen propagiert ...). Hier wurden die großen Güter zerschlagen und viele Neubauernstellen eingerichtet, also die Zahl der Kleinstellen noch einmal erhöht. Das Ganze mündete dann in der Kollektivierung, oder im Weg "Vom Ich zum Wir", wie damals propagiert wurde. Wer sich diese mehrfach gebrochene Geschichte ansehen will, der sollte einmal nach Alt-Schwerin am Plauer See fahren. Was gibt es dort zu sehen:
- ein Museum, das keine translozierten Gebäude kennt (nur ein transloziertes Tor), sondern solche, die dort schon bei der Gründung des Museums gestanden haben: ein Herrenhaus, ein Neubauernhaus, Tagelöhnerkaten, eine Schnitterkaserne von 1904,
- ein Museum, das die DDR-Geschichte nicht ausblendet, sondern die Geschichtsdeutung der DDR sogar authentisch vermittelt, und zwar in einer großen Dauerausstellung von 1988, die in der Schnitterkaserne zu sehen ist. Ja, richtig, sie stammt aus der DDR und sie steht dort immer noch. D.h. hier endet die Dorfgeschichte mit der Kollektierung und Mechanisierung der Landwirtschaft in der DDR.

Das Museum wurde Anfang der 1960er Jahre gegründet und es hatte ab 1970 ein besonderes Highlight zu bieten: In der großen Tagelöhnerkate lebte damals noch eine Familie mit zwei Kindern. Die Eltern arbeiteten in der LPG und bewohnten eine Wohnung in einem Haus, das schon zum Museum gehörte. 1970 bekamen sie eine Neubauwohnung, dafür mussten sie ihre alte Wohnung zu verlassen, wie sie war, alles blieb - so heißt es jedenfalls - in situ. Und so ist es geblieben. 2000 musste die Wohnung nach 30 Jahren Dauergebrauch renoviert werden. Dauergebrauch heißt offenbar wirklich "Gebrauch". Auf dem Sofa soll der Museumsdirektor auch mal ein Nickerchen gemacht oder das Ehebett für abendliche Besucher zur Verfügung gestellt haben. Hier wurde also gewissermaßen weiter gelebt und nicht nur besichtigt.

In diesem Jahr wurde das Museum um einen neuen Bereich erweitert. In mehreren Hallen und einem neuen zentralen Verwaltungs- und Besuchertrakt wird vor allem das Verhältnis von Maschine und Landwirtschaft beleuchtet: dort gibt es Feldbahnen, Traktoren, Lkw, Mähdrescher und viel mehr, sogar zwei Flugzeuge. Technikfans können hier auf ihre Kosten kommen - und den Hannoveraner freut es, mehrere HANOMAG-Traktoren vorzufinden. Dazwischen gibt es für Kinder thematisch passendes Spielgerät. Gerade dieser Bereich verweist auf einen Aspekt der neueren Landwirtschaft, dem man nicht immer in Westdeutschland begegnet: der Mechanisierung. Sie war schon früh ein Thema in Mecklenburg und sie bildet ein zentrales Thema für die DDR-Landwirtschaft.

Also auf, nach Alt-Schwerin, hier gibt es was zu entdecken, nicht besonders didaktisch aufgebaut, aber vergleichsweise authentisch, der Besucher muss und kann auf eine eigene Entdeckungsreise gehen. Aber Vorsicht: das Museum ist im Dorf und zu schnell ist man über die gerade Dorfstraße durch das Dorf gefahren, ohne das Museum überhaupt gesehen zu haben. Und eigentlich heißt es auch nicht mehr Museum, sondern „Agroneum".

http://www.museum-alt-schwerin.de

Donnerstag, 20. September 2012

Die akademische Lehre

"Die akademische Lehre im Grundstudium sollte nicht allein, wie mehr und mehr üblich geworden, von den jüngsten Assistenten, sondern von Universitätslehrern aller Art, namentlich auch immer wieder von den Lehrstuhlinhabern erteilt werden. Das gilt insbesondere für Proseminare und Einführungsveranstaltungen, weil so den Studenten der Anfangssemster Gelegenheit gegeben wird, gleich zu Beginn ihres Studiums die besonders erfahrenen Lehrer ihres Faches kennen zu lernen, und diese andererseits mit den Problemen der jeweiligen Anfangslehrgänge der Studenten vertraut gemacht werden."

(Joachim Leuscher, Hans-Heinrich Nolte, Brigide Schwarz, Geschichte an Universitäten und Schulen. Stuttgart 1973, S. 85 f.)

Auch wenn manche Begriffe heute etwas veraltet klingen, an der Kernaussage hat sich vermutlich nicht viel geändert.

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